„Okay. Da wären wir also.“ Langsam öffnete Craig die Tür zu ihrer neuen Wohnung. Zu der Wohnung, die nun ihr zu Hause sein würde. Der Gedanke daran ließ Craigs Herz einen kleinen Sprung machen. Ihr zu Hause. Das klang so gut in seinen Ohren. Jeden Tag mit ihm verbringen zu können, abends gemeinsam auf der Couch Blödsinn im Fernsehen schauen und nachts in seinen Armen einschlafen. Konnte es etwas Perfekteres geben? Craig war sich sicher, dass es das nicht gab. Mit einem Lächeln trat er in den kleinen Flur. Er hatte die Wohnung bisher nur auf Bildern gesehen, doch diese schienen sehr realistisch gewesen zu sein, denn alles sah genauso aus, wie er es erwartet hatte. Unsicher drehte er sich zu dem Mann, der nach ihm in den Flur getreten war, um. „Und? Was sagst du?“ John Paul schaute ihn lachend an. Die Stimmung zwischen ihnen hatte sich auf dem Flug merklich entspannt. „Also, was ich bisher von der Eingangstür und dem Flur gesehen habe, finde ich klasse.“ Craig wurde rot. „Aber natürlich. Ich zeig dir den Rest.“ Er nahm dem jungen Mann seine Taschen ab und schloss die Eingangstür hinter ihnen. „Hätte ich dich eigentlich über die Schwelle tragen müssen?“ Er schaute John Paul mit einem verschmitzen Lächeln an. „Als ob du mich auch nur hochheben könntest, Mister Leichtgewicht Dean.“ Lachte John Paul. „Hey. Ich hab ganz schön viel Kraft in diesen Armen. Da, fühl.“ Um seine Worte zu untermauern nahm er John Pauls Hand und legte sie auf seinen angespannten Oberarm. „Da. Alles Muskeln.“ John Paul nahm diese Aufforderung nur zu gerne an. Langsam strich er über den wohlgeformten Oberarm seines Freundes. Er kannte jede einzelne Rundung dieses perfekten Armes. Langsam ließ er seine Hand weiter nach oben wandern bis sie schließlich Craigs Nacken erreicht hatte. Er schaute tief in die schokobraunen Augen seines Gegenübers, bevor er ihn langsam an sich zog und seine Lippen das geliebte Gegenstück fanden. Zärtlich bat er mit seiner Zunge um Einlass, bevor sie sich in einem leidenschaftlichen Kuss wieder fanden. Immer enger zogen sie sich an einander, immer tiefer und leidenschaftlicher wurden ihre Küsse. In einer kurzen Pause zum Luftholen keuchte John Paul: „Vielleicht solltest du mir als erstes das Schlafzimmer zeigen.“ Er lächelte Craig verliebt an. Es tat so gut, ihn endlich wieder zu fühlen, endlich wieder frei zu sein. Die letzte Woche in Hollyoaks war schwer gewesen. Immer und überall waren Menschen um sie herum gewesen. Menschen, die sie argwöhnisch beobachtet hatte, die jeden ihrer Schritte kontrolliert hatten. Sie hatte sich in dieser Woche kaum küssen können, sich kaum gespürt, doch nun, wo er wieder die weichen Lippen des wunderschönen Mannes auf seinen spüren konnte, wusste er wieder, was er die ganze Zeit über so schmerzhaft vermisst hatte. Vorsichtig legte Craig seine Hand auf John Pauls Wange und schaute in dessen wunderschönen, saphirblauen Augen, die jetzt endlich wieder strahlten. Sie strahlten so, wie sie es immer taten, wenn sie sich mit seinen trafen. „Ich liebe dich so sehr, John Paul. Vergiss das nie.“ Diese Liebeserklärung traf ihn direkt ins Herz und mit belegter Stimme und einem verräterischen Funkeln in den Augen antwortete er: „Dann solltest du mir vielleicht zeigen, wie sehr du mich liebst. Nur damit ich es nicht vergesse.“ Diese Aufforderung war zu viel für Craig und so zog er seinen Liebsten hinter sich ins Schlafzimmer.
Müde und erschöpft lagen sie sich in den Armen. Craig kuschelte sich noch tiefer in den John Pauls Arm und seufzte leise. „Was ist los?“ John Pauls Stimme klang etwas besorgt, während er mit seiner Hand weiter über Craigs Oberarm strich. „Mir ist nur grade etwas aufgefallen.“ „Und das wäre?“ „Das wir grade das erste Mal nicht aufpassen müssen, ob jemand hereinstürmt. Wir müssen uns jetzt nicht heimlich anziehen und einer von uns muss aus dem Haus des anderen schleichen. Wir können das erste Mal so zusammen liegen bleiben, so lange wie wir wollen.“ John Paul schloss die Augen und lächelte. Hatte das grade wirklich Craig Dean gesagt? Sein Craig Dean? Er konnte es nicht fassen. Eine Welle des Glücks übermannte ihn und nun war es an ihm leise zu seufzen. „Stimmt. Du hast recht. Und soll ich ehrlich sein? Ich mag das.“ Zärtlich zog er ihn noch näher an sich heran. „Und das alles hätte ich beinah kaputt gemacht.“ John Paul verkrampfte sich augenblicklich. Die Worte trafen ihn wie einen unerwarteten Schlag in den Magen. Sofort waren wieder alle Zweifel da. Craig fühlte augenblicklich die Veränderung seines Freundes. „John Paul, wir müssen darüber sprechen. So gerne ich jetzt auch so tun würde, als wenn das heute nicht passiert wäre. Es ist aber passiert und wir müssen damit irgendwie umgehen.“ Craig hatte sich aus der Umarmung gelöst und sich aufgesetzt. Nun saß er ihm direkt gegenüber und schaute ihn erwartungsvoll an. „Ich weiß nicht. Was gibt es da noch groß zu reden? Du hast mir versprochen, dass es anders wird und wir werden eben sehen, ob du das Versprechen hältst.“ Etwas entnervt fuhr sich John Paul durch das Haar. „Aber du glaubst mir nicht.“ Diese sachliche und nüchterne Feststellung ließ John Paul zusammenzucken. „Doch, natürlich glaube ich dir.“ Seine Augen flackerten bei diesen Worten hin und her. „John Paul McQueen, du bist so ein verdammt schlechter Lügner.“ Wenn die ganze Angelegenheit nicht so verdammt schmerzhaft gewesen wäre, dann hätte Craig sicher laut gelacht. „Du hast mir von Anfang an nicht geglaubt.“ Betreten schaute John Paul zur Seite und machte somit ein stilles Eingeständnis. „Warum bist du dann mitgekommen? Warum bleibst du bei mir, wenn du mir nicht vertraust?“ John Paul hatte die Augen geschlossen als er den Kopf wieder zu Craig drehte und als er sie endlich wieder öffnete, schimmerten Tränen in ihnen. „Weil ich dich verdammt noch eins liebe. Ich wusste von Anfang an, dass es keine gute Idee ist, dir zu sagen, dass ich dich liebe, aber trotzdem habe ich es getan. Ich wusste ebenso, dass es nicht richtig ist, mit dir zu schlafen, während du noch mit Sarah zusammen warst, aber trotzdem habe ich es getan. Und genauso weiß ich jetzt, dass es sicher nicht die beste Idee war, mit dir zu kommen. Aber verdammt. Ich liebe dich. Und ich kann mir nicht vorstellen, auch nur einen Tag, eine Stunde oder auch nur eine Minute ohne dich zu sein. Wenn das heißt, dass ich jetzt wieder dein kleines, schmutziges Geheimnis bin, dann ist das eben so. Es bringt mich um. Wirklich. Aber noch mehr würde es mich umbringen, wenn ich ohne dich wäre.“ Langsam fanden die Tränen ihren Weg an seinen Wangen herunter. Er machte nicht einmal die Anstalten sie wegzuwischen.
Craig starrte ihn nur schockiert an. Er hatte gewusst, dass er John Paul mit seinem Verhalten verletzte. Er hatte gewusst, dass John Paul ihn liebte. Aber es war das erste Mal das er dieses so klar und ehrlich hörte. Es brach ihm fast das Herz und es füllte sein Herz ebenso mit unendlich viel Freude. Was hatte er nur getan, um diese bedingungslose Liebe zu verdienen? Wie konnte er diesen außergewöhnlichen Mann auch nur eine Sekunde verleugnen? Vorsichtig beugte er sich nach vorne und wischte mit seinem Daumen die Tränen von seiner Wange. Langsam und zärtlich gab er ihm einen Kuss auf die Stirn. „Sch. Nicht mehr weinen.“ Er strich ihm beruhigend über das Haar. „Ich werde dir nie wieder Grund zum Weinen geben. Das verspreche ich dir. Nie wieder.“ Er zog den blonden Mann behutsam in seine Arme und wiegte ihn leicht hin und her. Für ein paar Minuten verbrachten sie so schweigend auf ihrem Bett, bevor John Paul sich von ihm los machte. „Das kannst du nicht versprechen. Das weiß ich. Du bist noch nicht bereit dafür.“ Craig schaute ihn sprachlos an. John Paul hatte ihn an seiner empfindlichsten Stelle getroffen, denn er hatte recht. Craig war noch nicht bereit. Er war noch nicht bereit nach draußen zu gehen, mit stolz erhobenen Kopf und zu sagen, zu gestehen, was er war. „Du hast recht.“ Verlegen rieb er sich mit der Hand über den Nacken. „Aber ich würde es so gerne. Gott, ich würde es so gerne.“ Dieses Mal waren es Craigs Tränen, die sich langsam ihren Weg suchten und dieses Mal war es John Paul der den dunkelhaarigen Mann wieder an sich zog. „Ich weiß doch, mein Schatz. Ich weiß doch.“ „Aber warum ist es dann so schwer. Ich liebe dich so sehr. Ich würde dich am liebsten ununterbrochen küssen, dich berühren. Aber ich kann es einfach nicht. Ich hab so viel Angst vor den Menschen. In diesen Augenblicken sehe ich nur noch sie. Sehe, wie sie auf mich zeigen. Ich kann dann einfach nicht mehr rational handeln. Und du glaubst nicht, wie sehr ich mich dafür hasse.“

