Man will es nicht glauben, aber ich kann ja nicht nur Fanfics schreiben. Nein. Denn eigentlich komme ich ja aus der Kurzgeschichtenecke. Man mag es nicht glauben. Die Fanficsschreiberei ist demnach eigentlich nur Fingerübung für andere Dinge. Daher heute mal was anderes: Ein Original von mir.
Mütter und Töchter
Müde legte sie den Telefonhörer wieder auf. Warum waren diese Telefonate immer so schwierig, so auslaugend? Sie wusste es nicht. Vielleicht lag es an ihrer Art, die Dinge so zu benennen, wie sie eigentlich gar nicht waren. Vielleicht lag es an ihrer Art, die Dinge zu verdrehen. Und wie immer am Ende eines dieser Gespräche, fühlte sie sich schlecht. Sie fühlte sich schlecht wegen ihrer Pläne, wegen ihrer Taten, wegen ihres gesamten Lebens. Würde es jemals genug für sie sein? Nein, das würde es sicher nicht. Würde sie es jemals verstehen können? Nein, das würde sie ganz sicher nicht.
Traurig strich sie sich über die Wange. Wie hatte sie es dieses Mal nur wieder geschafft? Wie hatte sie es geschafft, ihren Traum, ihr Leben innerhalb von Sekunden zu Staub werden zu lassen? Sie hatte ja nicht einmal gesprochen. Es waren nicht die Worte, die ihre Welt zum Einsturz gebracht hatten, nein, es waren die Worte, die sie nicht gesagt hatte, die alles in ihr erzittern ließen. Das Schweigen, die vorwurfsvollen Pausen. Wie hatte sie sich nur wieder dafür entscheiden können? Nein, das war falsch. Alles, was sie wollte, träumte, hoffte, das war alles falsch. Es passte nicht in ihren Lebensentwurf. Es passte nicht in ihre Welt. Dabei hatte sie wohl nie gemerkt, dass ihr ihr Leben schon vor einigen Jahren zu klein geworden war. Sie hatte immer versucht sich in dieses kleine Korsett zu pressen, was ihr vorgegeben war. Aber es hatte gedrückt. Es hatte an allen Ecken gezogen, geschmerzt. Nein, sie konnte es nicht mehr tragen, sie musste heraus. Heraus aus dem kleinen, dummen Gedanken.
Sie wusste, dass es die einzige Entscheidung war, die sie für ihr Leben hatte treffen können. Und doch schaffte sie es immer wieder ihre Träume zu zerschlagen, ihre Hoffnungen zu zerplatzen, ihre Pläne zu zerstören. Sie wusste nur nicht, warum sie diese Macht immer noch hatte.
Dienstag, 17. Juni 2008
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