(ich bin immer noch iritiert, wie gut diese geschichte bei den lesern ankommt. das war doch nur so eine schnapsidee aus meinem verqueeren hirn.. aber jetzt muss ich wohl was gescheites draus machen. *lach)
Part 2
„Deniz?“ „Ja, Dad?“ Immer noch fühlte sich das Dad komisch an aus seinem Mund. So fremd. Zu lange schon hatte er es nicht mehr benutzt. Dad. Doch irgendwie gefiel es ihm. Irgendwie war es ein schönes Gefühl hier bei ihm zu sein. Deniz fühlte sich das erste mal wieder zu Hause. Oder zumindest mehr zu Hause als er es in den letzten Monaten in München getan hatte. Wann hatte er sich überhaupt das letzte Mal zu Hause gefühlt? „Kannst du grade rüber zur Pommesschranke gehen und die Frikadellen holen?“ Marian schaute ihn fragend an. „Klar.“ Mit einem kleinen Lächeln legte er das Handtuch auf den Tresen, mit dem er eben noch selbigen poliert hatte. Sie machten ihm nichts aus, diese kleinen Laufarbeiten. Er war so froh, hier einen Unterschlupf gefunden zu haben. Und es machte ihm Spaß, Marian zu helfen. Manch anderer Junge in seinem Alter hätte es vielleicht nervig oder öde gefunden, doch Deniz fand es einfach nur spannend in der Nähe seines Vaters zu sein. Zu sehen, wie mit den Gästen umging. Wie er seine Freunde begrüßte. Es gab Deniz das Gefühl, ihn besser kennen zu lernen. Das Bild, das seine Mutter ihm vor so langer Zeit gemalt hatte, schien nicht annähernd auf seinen Vater zu passen. Nein, er schien nicht der engstirnige, arrogante Machotürke zu sein, wie ihn seine Mutter immer so gerne genannt hatte. Nein, er schien warmherzig, liebevoll und immer bereit, für seine Lieben zu kämpfen. Und Deniz hoffte inständig, dass er auch zu diesen Lieben gehörte.
„Einmal bitte die Frikadellen für Öztürk bitte.“ Mit einem Lächeln stand Deniz vor der kleinen Pommesbude und schaute den bulligen Mann hinter dem Tresen erwartungsvoll an. „Aber die holt der Marian doch immer selber. Wer bist denn du?“ Er schaute skeptisch unter seiner speckigen Schirmmütze hervor, bevor er sie mit einer Hand zur Seite schob, um sich an der nun freiliegenden Stelle zu kratzen. Deniz wollte grade den Sachverhalt aufklären, als eine bekannte Stimme hinter ihm rief: „Ist schon okay, Keule. Das ist Marians Sohn.“ Überrascht drehte sich Deniz um und sah die Frau, mit der er neulich seinen Vater überrascht hatte. Wie war noch gleich ihr Name? Nadja. Genau. Er lächelte sie dankbar an und machte ein paar Schritte auf sie zu. „Hallo Deniz.“ Trotz ihres freundlichen Lächelns konnte er ihre Unsicherheit merken. Natürlich. Seine plötzliche Entdeckung in der Sieben war ihr sicher immer noch unangenehm. Er konnte sich sein Grinsen kaum verkneifen. Ja, es wäre ihm wohl auch unangenehm gewesen. Gab es ein schlimmeres Szenario, das passieren hätte können? Nein, ganz sicher nicht. „Hallo Nadja.“ Er erwiderte ihr freundliches Lächeln und strecke ihr förmlich die Hand hin. Was machte man denn auch sonst in so einer Situation? Nachdem er sie praktisch auf einem der Tische der Sieben mit seinem Vater erwischt hatte, schien weder ein kurzer Gruß oder gar eine Umarmung angebracht. Konnte man mit einem Handschlag etwas falsch machen? „Ich würde dir gerne jemanden vorstellen.“ Deniz schaute überrascht auf. Erst jetzt hatte er registriert, dass Nadja nicht alleine an dem kleinen Stehtisch stand. Und als er seinen Kopf zu Seite neigte und in die blauen Augen sah, da wusste er es. Er hatte gefunden, was er gesucht hatte.
„Das ist mein Freund Roman.“ Nadjas Stimme bildete nur noch ein Hintergrundrauschen. Er sah diese Augen, diese blauen Augen und sonst nichts. Er schien in ihnen zu ertrinken. Er konnte fühlen, wie sein Herz mehr als nur einen Schlag schneller ging. Langsam wurde ihm bewusst, wie peinlich er sich aufführen musste. Stand da für Sekunden, Minuten, vielleicht auch Stunden und starrte diesen fremden Mann an. Aber egal, wie dumm und peinlich es auch war, er konnte es nicht über sich bringen auch nur eine Sekunde wegzuschauen. Er fühlte sich gefangen, ergriffen und noch so viel mehr. Durch seine Adern rasten tausend Emotionen. Eine schöner als die andere. Er konnte die kleinen Schmetterlinge in seinen Bauch wieder fliegen spüren. Wie lange hatten sie es schon nicht mehr gemacht? Hatten sie es überhaupt jemals? Sein Kopf raste, sein Herz pumpte. Er vergas fast das Atmen. „Hallo.“ Der schüchterne Gruß seines Gegenübers ließ ihn aus seinen Gedanken schrecken. Und endlich nahm er nicht nur die Augen wahr, sondern den ganzen Mann. Er war klein, ja fast ein wenig zierlich. Aber doch schien er sehr gut trainiert zu sein. Seine Oberarme waren wohl proportioniert und das enge T-Shirt ließ einen durchtrainierten Oberkörper erahnen. Der blonde Strubbelkopf stand in alle Richtungen ab. Vielleicht hätte es an anderen Leuten einfach nur dumm und ungepflegt ausgesehen, doch an ihn sah es einfach nur unglaublich gut aus. Mit etwas zittriger Stimme erwiderte Deniz seinen Gruß. Eine beklommene Stille trat ein. „Ich…“ „Also…“ Beide setzen gleichzeitig an und brachen gleichzeitig ab. Ein kurzes Lachen entkam ihren Kehlen und das Eis schien gebrochen. Deniz registrierte mit klopfendem Herzen, dass ihn dieses Lachen nur noch schöner machte. Er sah fast ein wenig.. ja, wie denn eigentlich? Ja, fast wie ein Engel aus. „Hey, die Frikadellen sind fertig.“ Widerwillig löste Deniz sich von seiner neuen Bekanntschaft und nahm das Tablett mit der Bestellung entgegen. Einen ungeschickten Abschiedgruß später befand sich Deniz wieder auf dem Rückweg in die Sieben. Er hörte noch, wie eine der kleinen Kaffeetassen von einem der Stehtische fiel.
Samstag, 21. Juni 2008
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