Sonntag, 4. Mai 2008

Ollian - Grünäugige Monster - Oneshot

Ungeduldig trommelte Christian auf dem Tresen, während sein Blick niemals den dunkelhaarigen, jungen Mann verließ, der sich am anderen Ende des No Limits unterhielt. „Christian?“ Judiths Stimme schreckte ihn aus seinen Gedanken. „Hm?“ „Mensch, was ist denn mit dir los? Ich versuch jetzt schon seit fünf Minuten eine Cola bei dir zu ordern.“ Judith schaute ihn skeptisch an. Doch Christian schien immer noch nicht wirklich bei der Sache. „Hm? Was? Ach ja, Cola.“ Hektisch nahm er ein Glas und füllte sie mit der braunen Brause. Doch sein Blick heftete immer noch am anderen Ende des Raums und so bemerkte er auch nicht, wie sich der halbe Inhalt der Flasche über seine Hand ergoss. „Ach scheiße.“ Wütend stellte er Flasche und Glas ab und wischte die klebrige Flüssigkeit von seinen Händen. „Christian?“ Judith schaute ihn eindringlich an. „Was denn?“ Seine Stimme klang genervt, doch Judith kannte ihren Mitbewohner zu gut. „Was ist los?“ Christan schaute sie verständnislos an. „Wieso? Alles in Ordnung.“ Doch der Ausdruck in seinen Augen verriet, dass absolut gar nichts in Ordnung war. „Na komm schon. Ich weiß, dass dich was ärgert. Also raus damit.“ Judith blieb hartnäckig. Zögernd schaute er sie an, doch sofort glitt sein Blick wieder zurück zu dem Punkt, den er schon die ganze Zeit betrachtet hatte. Judith folgte seinen Blick und verstand augenblicklich, warum Christian so schlechte Laune hatte. Am anderen Ende der Bar saß Olli mit einem anderen Mann und unterhielt sich anscheinend blendend. Immer wieder fielen die beiden in ein Lachen und gestikulierten wild herum. Beide schienen einen Heidenspaß zu haben. Nur Christian schien das ganze Bild nicht sonderlich zu passen. Lächelnd drehte sich Judith wieder zu Christian. „Du bist ja wohl nicht eifersüchtig, oder?“ Christian schaute sie erschrocken an. Doch auf seinen Zügen lag etwas Ertapptes. „Eifersüchtig? Ich?“ Er lachte auf, doch es klang eine kleine Spur zu schrill, als das man es glauben hätte können. Oh ja, Christian war eifersüchtig, so viel war sicher. Doch Judith wusste, er würde sich eher die Zunge abbeißen, als das zu gestehen. Mit einem Grinsen fragte sie: „Na, was ist es denn dann?“ Christian schüttelte den Kopf. „Nichts, es ist alles okay.“ Lachend zählte Judith in Gedanken bis drei. „Es ist nur…“ Aha, also doch. „Was findet Olli nur an diesem Schleimer? Ich meine, das ist doch gar nicht sein Typ.“ Judith schaute ihn überrascht an. „Wieso sollte er auch? Die beiden unterhalten sich doch nur. Olli ist mit dir zusammen.“ Sie hätte nicht gedacht, dass so eine Erinnerungsstütze von Nöten war. „Ja, aber…“ Christian wand sich immer weiter. Es war offensichtlich, wie sehr ihm die Situation zusetze. „Ja?“ fragte Judith aufmunternd. „Olli hat mich die ganze Zeit kaum beachtet. Er hat nur noch Augen für den Idioten.“ Er sprach leise und Judith hatte Schwierigkeiten ihn über Kneipengeräuschpegel zu verstehen. „Ach Christian. Olli ist nicht so.“ Doch Christian hatte schon wieder zugemacht. „Ach, ist doch auch alles egal.“ Mit mürrischer Miene ging er zurück zur Theke und begann Gläser zu polieren. „Na, Bruderherz. Alles klar hier?“ Mit einem Lächeln betrat Gregor das No Limits und fegte sogleich hinter die Theke. „Ja, ganz großartig. Siehste doch.“ Antwortete Christian maulig. „Oha, was ist dir denn für eine Laus über die Leber gelaufen? Stress mit nem Mädchen?“ Er sah seinen kleinen Bruder zweideutig an. „Boah, Gregor. Halt doch einfach nur das Maul.“ Wütend sah Christian Gregor an, der daraufhin sofort abwehrend die Hände hob. „Ist ja schon gut, ist ja schon gut.“ Verwirrt ging er zu Judith hinüber, die immer noch an der Theke saß. „Hi Judith. Na, wie siehts aus?“ Judith lächelte ihn freundlich an. Sie wusste, dass Gregor ein ausgesprochenes Eckel sein konnte, doch zu ihr war er immer nett gewesen. „Alles klar, und selbst?“ Gregor erwiderte das Lächeln. „Alles palletti“ Ein leises Klirren ließ beide Köpfe herumschnellen. Christian fluchte leise und warf das kaputte Glas in den Mülleimer. Verwundert schaute Gregor zurück zu Judith. „Sag mal, hast du ne Ahnung, was der hat?“ Judith lächelte vielsagend. Doch ihre Antwort war: „Ne, keine Ahnung.“ Etwas lauter fuhr Gregor fort. „Vielleicht braucht er ja einfach nur mal wieder ne gescheite Frau.“ Er lachte leise. „Vielleicht sollte er sich mal ein Beispiel an Olli nehmen. Der scheint ja heute mal richtig Glück zu haben.“ Erneut brach ein Glas in Christians Hand und mit wütender Miene starrte er seinen Bruder an. „Du bist manchmal wirklich ein Arsch.“ Damit warf er sein Handtuch beiseite und verließ aufgebracht das No Limits. Zurück ließ er nur drei Augenpaare, die ihm verwundert nachschauten.


Was war das grade für ein Auftritt gewesen? Er kannte sich selbst so nicht. Ja, er war eifersüchtig. Er war es wirklich. Aber diese Eifersucht hatte alles bisher dagewesene geschlagen. Ja, er war schon immer der eifersüchtige Typ gewesen, aber das, was er da eben gefühlt hatte, als er Olli mit diesem Typen gesehen hatte, das war zu viel gewesen. Am liebsten wäre er zu den beiden hinüber gegangen, hätte seine Arme um Olli geschlungen, ihn geküsst und mit einem Lächeln verkündet, dass dieser gut aussehende Mann ihm gehörte. Ihm ganz allein. Aber nein, dafür war er viel zu feige. Er schaute sich lieber an, wie sein Freund sich fröhlich mit jemand anderen vergnügte. Oh Gott. Was war er nur für ein jämmerlicher Feigling? Kein Wunder also, dass Olli lieber mit anderen flirtete. Wo er es doch schon nicht mit ihm konnte. Und Olli hatte es verdient. Er hatte eine normale Beziehung verdient, nicht so ein Versteckspiel, nicht so einen verdammten Feigling. Er legte seinen Kopf in die Hände und seufzte leise. Ja, Olli hatte so viel mehr verdient als er ihm je geben konnte. Er würde nie der Mann sein, den Olli verdiente. Er war so in seinen Gedanken, dass er gar nicht bemerkt hatte, wie sich leise die Tür zu seinem Zimmer öffnete. Erst als sich die warme Hand auf seinen Rücken legte, schreckte er auf. „Hey.“ Ollis weiche Stimme klang zärtlich und liebevoll. Eigentlich so wie immer, wenn er mit ihm sprach. „Selber hey.“ Christian traute sich nicht einmal hoch zuschauen. „Was war das eben?“ „Ach, du hast das mitbekommen? Ich dachte, du wärst zu sehr beschäftigt mit deiner neuen Eroberung.“ Christians Stimme klang bitter und sie versetzte Olli einen kleinen Stich. „Natürlich hab ich das mitbekommen. Und von welcher Eroberung sprichst du? Die einzige Eroberung, die ich in letzter Zeit gemacht hab, sitzt grade hier neben mir.“ Er lächelte und strich zärtlich mit der Hand über Christians Wange. Doch so leicht konnte Christian das ganze nicht vergessen. „Na, dafür hast du dich aber ganz prächtig mit ihm amüsiert oder? Ich bin richtig verwundert, dass du überhaupt bemerkt hast, dass ich weg bin.“ Olli atmete tief ein und nahm seine Hand von Christians Wange. Dies würde schwer werden. Das wusste er. „Du weißt, dass das nicht stimmt. Ich interessiere mich nicht für andere Männer. Und das solltest du eigentlich wissen.“ In Christians Inneren schien es zu kämpfen. „Aber…“ Olli unterbrach ihn. „Nein, Christian. Nichts aber. Vertraust du mir wirklich so wenig? Weil dann haben wir wirklich ein Problem.“ Olli schaute ihn traurig an. Er wusste, dass es eigentlich um etwas ganz anderes ging. Nur musste er Christian irgendwie aus der Reserve locken. „Ja… Nein.. Ach verdammt. Ich weiß auch nicht.“ Christian brachte keinen klaren Satz zustande. „Es geht hier eigentlich gar nicht um mich, richtig? Oder zumindest nicht allein.“ Christian schaute erstaunt auf. Wie machte Olli das nur immer? Sie kannten sich erst so kurz, doch trotzdem schien Olli immer zu wissen, was Christian fühlte, was er dachte. Und das sogar oft, bevor Christian selber realisierte, das es so war. Und auch dieses Mal hatte er wieder ins Schwarze getroffen. „Du hast Angst, dass mir unser Versteckspiel zu viel wird. Dass ich es mir anders überlegen könnte und mir einfach einen Mann suchen könnte, mit dem ich ganz normal und offiziell zusammen sein könnte. Hab ich recht?“ Christian konnte nur still nicken. Mit einem Lächeln schlang Olli seine Arme um Christians Hüften und sah ihn liebevoll an. „Dann willkommen im Club.“ Christian schaute ihn verwirrt an. „Ja, glaubst du nicht, dass ganz tief in mir drin noch ein ganz klitzekleiner Fitzel Angst ist, dass du es dir doch anders überlegst? Dass du doch lieber was von Mädchen willst?“ So hatte Christian das bisher noch nie gesehen. „Natürlich bin ich mir deiner nicht hundertprozentig sicher. Aber weißt du was mir dabei hilft, nicht auszurasten, wenn ich dich mit irgendwelchen wunderschönen Mädels sehe, die alle furchtbar mit dir flirten?“ Wieder schüttelte Christian nur still den Kopf. „Ich denke daran, dass du mich liebst. Du hast dich für mich entschieden. Ich vertraue dir.“ Er brach kurz ab. „Natürlich gibt es keine Garantie für Liebe. Aber wenn du dich eines Tages wirklich für jemand anderes als mich entscheiden solltest, dann hatte ich wenigstens diese Zeit hier mit dir. Und wenn ich ehrlich bin, ist das jetzt schon mehr, als ich jemals zu träumen gewagt hätte.“ Lächelnd zog er ihn näher an sich und gab ihm einen zärtlichen Kuss auf den Mund.
Als er aufsah, schaute er in Christians lächelndes Gesicht. „Wie machst du das nur immer?“ Olli schaute ihn erstaunt an. „Was?“ „Wie findest du immer genau die richtigen Worte, die immer alles so einfach und leicht erscheinen lassen?“ Olli lächelte. „Nein, das siehst du falsch. Es sind nicht die Worte. Das hier ist einfach und leicht.“

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich sag ja, fleißig. *g*

Schon doof, wenn man nicht öffentlich zu seinem Freund stehen will und dann nicht so reagieren kann, wie man will. he he Aber das sind bestimmt wirklich die Gedanken, die ihnen irgenwann duch den Kopf gehen würden, wenn dieses Versteckspiel noch länger dauert.

Heartbreak hat gesagt…

schön, dass es dir gefallen hat.. war mal eine kleine herausforderung das ganze zu schreiben.. brauche immer ewigkeiten bis ich mich in charaktere einfinden kann.. hoffe, es war nicht allzu ooc..