Mittwoch, 28. Mai 2008

Ollian: Frühlingserwachen - Oneshot

Frühlingserwachen

Langsam konnte Olli das Lachen nicht mehr unterdrücken. „Sag mal, irgendwie komme ich mir etwas observiert vor.“ Ein schneller Seitenblick auf seinen Freund bestätigte seine Annahme, doch dieser fragte nur scheinheilig: „Wieso? Ich weiß nicht, was du meinst.“ Während er sprach war sein Blick ganz automatisch weiter auf Olli gerichtet. Wie es schien, war die Betrachtung seines Liebsten in letzter Zeit zu seinem liebsten Hobby geworden. „Ah ja. Und warum hab ich dann das Gefühl, die ganze Zeit beobachtet zu werden?“ Auf Christians Gesicht tauchte ein schelmisches Grinsen auf. „Das könnte daran liegen, dass ich es irgendwie nicht über mich bringen kann, etwas anderes anzugucken als dich.“ „Ach ja?“ Nur konnte auch Olli sein Grinsen nicht mehr verstecken. Und die Zweideutigkeit, die in ihren Blicken lag, ließ beiden eine Gänsehaut über den Rücken fahren. „Ja. Schon.“ Christians Stimme klag so verführerisch in Ollis Ohren. „Gefällt dir denn das, was du da zu sehen bekommst?“ Olli sah ihn unschuldig an. Natürlich wusste er, was für eine Reaktion er auf Christian hatte, doch er liebte es, es aus seinem Mund zu hören. „Naja, geht so. Eigentlich nicht sonderlich.“ Christians Antwort war wie eine kalte Dusche. Doch als sich Olli zur Seite drehte um sich zu beschweren, sah er schon am frechen Grinsen seines Gegenübers, dass er genau das beabsichtigt hatte. „Boah, du Blödmann.“ Er knuffte Christian scherzhaft in die Rippen. Beide begannen zu lachen, doch Christian wurde schnell wieder ruhig. „Aber ich bin dein Blödmann.“ Er sah Olli tief in die Augen. Es verschlug dem Schwarzhaarigen den Atem und er konnte spüren, wie sein Herz drei Schläge schneller schlug. Wie gerne hätte er ihn sich jetzt geschnappt, hätte ihn geküsst, gestreichelt und wäre Hand in Hand mit ihm weitergegangen. Doch der Umstand des vollbesetzten Parks machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Christian hatte immer noch niemanden von ihnen erzählt und auch wenn Olli die Geheimnistuerei und das Versteckspiel einigermaßen genoss, so sehnte er sich doch nach dem Augenblick, wenn er endlich Christians Hand nehmen könnte. Immer und zu jeder Zeit. Mit einem Räuspern zerriss er die Anspannung zwischen ihnen. „Du denkst also, dass ich die Antwort auf Quasimodo bin? Vielen Dank auch.“ Gespielt beleidigt drehte er sich weg. Streitigkeiten waren definitiv besser, als das, was er jetzt gerne gemacht hätte. Doch er hatte die Rechnung ohne Christian gemacht. Olli wusste nicht, was es heute war, ob es die Sonne war, die so friedlich vom Himmel schien, ob es einfach der Frühling war, der aus allen Ecken leuchtete oder ob es einfach nur er war. Irgendetwas war heute anders an Christian. Er konnte es nur noch nicht ganz fassen. Doch als er von ihm an der Schulter gefasst wurde und zu ihm gedreht wurde, da wusste er es: Es war Selbstbewusstsein. „Du bist das Wunderschönste, was ich jemals in meinem Leben gesehen habe. Ich bin jeden Tag aufs Neue davon fasziniert, wie sehr du mir mit nur einem Blick den Atem rauben kannst. Ich liebe dich, Olli. Das tue ich wirklich.“ Olli hatte das Gefühl, als wenn die Welt anhalten würde. Alles schien sich nur noch um sie zu drehen. Es existierten kein Raum und keine Zeit mehr. Nur noch sie. Alles andere war verschwunden. Langsam beugte er sich vor. Abwartend, immer in Angst, dass Christian ihn wegstoßen würde, aber nichts passierte. Stattdessen näherte auch dieser sich immer mehr, bis sich schließlich ihre Lippen in einem zärtlichen Kuss trafen. Da standen sie nun, mitten in einem vollen Park und küssten sich, als wenn sie nie etwas anderes getan hätten.

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