Montag, 5. Mai 2008

JPC - A New Life - Part 14

Mit einem Lächeln betrachtete Keith den dunkelhaarigen Mann hinter seiner Theke. Ein Außenstehender hätte es vielleicht gar nicht bemerkt, doch er hatte es gesehen. Craig hatte sich verändert. Langsam, fast unmerklich. Er schien nicht mehr so unter Dauerstrom zu stehen und ab und an huschte auch einmal ein richtig ehrliches Lachen über seine Lippen. Keith lehnte sich zufrieden in seinem Stuhl zurück. Er wusste, dass er einen großen Anteil an dieser Veränderung trug. Er wusste, wie wichtig er und Michael für Craig geworden waren. Seit diesem einen Nachmittag, an dem Craig sich endlich gezeigt hatte, seit diesem Nachmittag war alles anders geworden. Keith wusste, dass Craig immer noch furchtbar unter der Trennung von John Paul litt. Dieser Schmerz würde auch noch eine ganze Zeit bleiben. Doch endlich hatte er jemanden, dem er es erzählen konnte, wenn er wieder einmal die halbe Nacht wach gelegen hatte, weil er zu große Angst vor seinen Träumen hatte, die immer wieder den blonden Mann zurückbrachten. „Hey Craig?“ Der junge Mann schreckte aus seiner Arbeit auf. „Ja?“ „Sag mal, hast du heute Abend eigentlich schon was vor?“ Mit einem Grinsen trat Craig näher an den Teil der Theke, an dem Keith mit seinen Büchern saß. „Ich weiß ja nicht, wie lange mein Sklaventreiber von Chef mich heute hier behalten will.“ Keith konnte sich ebenfalls das Grinsen nicht verkneifen. Ja, Craig hatte sich verändert. „Sklaventreiber. Ich geb dir gleich Sklaventreiber.“ Beide Männer lachten. „Michael und ich wollten nachher noch ins Waves. Hast du Lust?“ Keith schaute ihn fragend an. „Das Waves? Kenn ich gar nicht.“ Keith Blick veränderte sich kaum merklich und er sah Craig forschend an, als er sagte: „Das ist so ziemlich der größte Schwulenclub in Dublin.“ Eigentlich hatte Keith erwartet, dass Craig zusammenzucken würde oder sich irgendwie rausreden würde. Doch Craig nickte nur mit dem Kopf. „Klar, hört sich gut an. Ich bin dabei.“ Unbeeindruckt ging er wieder an seine Arbeit. Ja, Craig Dean hatte sich wirklich verändert.


„Tanzt du gar nicht?“ Craig schaute seinen Chef fragend an. „Nur über meine Leiche.“ Antwortete dieser lachend. „Oder wenn ich sturzbetrunken bin.“ Fröhlich zwinkerte er dem jungen Mann vor sich zu. „Was machst du dann in einem Club? Gehört das hier nicht dazu?“ Craig nahm einen langen Schluck aus seiner Bierflasche und schaute auf die Tanzfläche. „Nah, ich geh hier eigentlich nur Michael zuliebe hin. Mir ist es hier zu laut. Aber hey, du musst hier grade rummosern. Ich hab dich auch noch nicht auf der Tanzfläche gesehen.“ „Erwischt.“ Beide Männer lachten erneut. Craig lehnte sich zufrieden in seinem Stuhl zurück und ließ seinen Blick durch den großen Raum gleiten. Er hatte nicht erwartet, dass er sich hier so wohl fühlen würde. Aber irgendwie fühlte es sich richtig an. Hier und da erspähte er ein Pärchen, das knutschend an der Theke lehnte. Aber im Großen und Ganzen war es nicht anders, als das was, er von anderen Clubs gewohnt war. Okay, vielleicht war die Männerdichte etwas höher. Er schmunzelte. Wie würde John Paul wohl reagieren, wenn er ihn jetzt sehen würde? Würde er es ihm glauben, wenn er es ihm erzählen würde? Nein, sicher nicht. Eigentlich konnte er es ja selber nicht mal glauben, aber die Zeit mit Michael und Keith hatte ihn irgendwie verändert. Er war entspannter geworden. Er krampfte nicht mehr zusammen, nur weil jemand das Wort schwul in den Mund nahm. Ja, mittlerweile war er sich sogar relativ sicher, was er selbst eigentlich war. Und das fühlte sich ganz fantastisch an. Es würde sicher noch eine Weile dauern, bis er es nicht nur vor sich selber zugeben konnte, aber hey, er fühlte, dass er auf dem richtigen Weg war.

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