Sonntag, 4. Mai 2008

JPC - A New Life - Part 13

Müde öffnete Craig die Augen, doch bereute es augenblicklich. Sein Kopf schien Platzen zu wollen. Wo war er? Er hatte keine Ahnung. Vorsichtig blinzelte er und sah sich in dem Raum um. Er lag auf einem Sofa in irgendeinem Wohnzimmer. So viel war klar. Aber in wessen Wohnzimmer? Wo? Er konnte sich keinen Reim darauf machen. Das letzte woran er sich erinnern konnte, war… Ja, was war es eigentlich? Er rieb sich vorsichtig den Kopf. Und plötzlich waren die Erinnerungen wieder da. Der Club, Keith und… John Paul. Er schloss sofort wieder die Augen. Das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit hatte er den Namen ausgesprochen. Er hatte nicht mehr gewusst, wie gut er sich anfühlte. Doch mit dem Namen war auch all der Schmerz wiedergekommen. Das letzte woran er sich erinnern konnte, war er und eine Flasche Tequilla. Danach war alles dunkel. Das Geräusch der Tür ließ ihn aufschrecken. Mit einem Lächeln auf den Lippen trat Keith in das dunkle Zimmer. „Na, wie geht´s dir?“ Er sah ihn mitleidig an. Also war das hier Keith Wohnzimmer. Hatte er ihn gestern auch hierhin gebracht? Nein. Irgendwie tanzte vor seinen Augen ein anderes Gesicht herum. „Ist unser Findelkind also endlich aufgewacht?“ Eine zweite Person trat in das Zimmer und blieb direkt hinter Keith stehen. Es war der junge Mann, der gestern von Keith so liebevoll begrüßt worden war. Wie war sein Name noch gleich? Michael? Mit krächzender Stimme brachte Craig ein „Ja, mir gehts ganz gut. Ich hab nur etwas Kopfweh“ hervor. Beide Männer lachten. „Ja, das kann ich mir lebhaft vorstellen. Als ich dich gefunden hab, stand vor dir eine halbe Armee an leeren Tequillagläsern.“ Lachend ließ sich Keith in den Sessel neben dem kleinen Sofa nieder und betrachtete Craig aufmerksam. „Tut mir leid, dass ich euch so viele Umstände gemacht habe. Ich…“ Er brach ab. „Ich weiß auch nicht, was da in mich gefahren ist.“ Etwas beschämt schaute er zur Seite. Die ganze Situation war ihm unglaublich peinlich. Jetzt lag er hier verkatert und nur in seiner Jeans auf der Couch seines Chefs. Ja, das war wirklich eine großartige Situation. Wie schaffst du es nur immer wieder, dich in solche Dinge zu manövrieren, Craig Dean? „Ich glaube, wir wissen alle, was da gestern in dich gefahren ist.“ Nun trat auch Michael etwas näher und setzte sich auf die Sessellehne neben seinen Mann. Craig konnte fühlen, wie die Angst langsam in sein Herz kroch. Was hatte er gestern Abend alles von sich gegeben? Was hatte er nur alles gesagt? „Wieso?“ Seine Stimme klang unsicher. Michael lächelte ihn jedoch aufmunternd an. „Weil du die halbe Nacht immer nur von einer Person gesprochen hast. Du wolltest unbedingt zurück zu ihr.“ Craig Blick flackerte unruhig. „Ich weiß nicht, was ihr meint.“ „Wirklich nicht?“ Dieses Mal war es Keith, der ihn mit einem Lächeln bedachte. „Hör mal, Craig. Du hast uns gestern eh schon die halbe Geschichte erzählt. Okay, ich muss zugeben. Sehr viel Sinn machte das ganze nicht für meine Ohren. Aber trotzdem konnte man sehen, wie sehr du unter der ganzen Sache leidest. Und vor allem: Wie sehr du ihn noch liebst. Meinst du nicht, es wäre einmal an der Zeit, alles von Anfang an zu erzählen?“ Craig schaute überrascht auf. Es stimmte. Er hatte noch nie mit irgendwem über John Paul und den verhängnisvollen Sommer gesprochen. Es war immer sein großes Geheimnis gewesen. Vielleicht war es wirklich an der Zeit alles einmal offen auszusprechen. Vielleicht würden ihn dann die Dämonen seiner Vergangenheit endlich in Ruhe lassen. Vielleicht würde es den Schmerz etwas lindern. Doch waren diese beiden Männer die richtigen Ansprechpartner? Skeptisch schaute er zu den beiden hinüber. Michael hatte zärtlich den Arm um Keith gelegt, während Keiths Hand auf Michaels Knie lag. Sie schienen sich dabei gar nichts zu denken. Sie benahmen sich so natürlich, als wäre es das normalste auf der Welt, dass sie ein Paar waren. Vielleicht waren sie genau die Richtigen. Craig atmete noch einmal tief ein, bevor er anfing zu erzählen. Von John Paul. Ihrer ersten Begegnung. Wie er sich langsam immer mehr in ihn verliebt hatte. Wie er dagegen angekämpft hatte. Ihr erstes Mal. Sein Verhalten danach. Wie er John Paul und Sarah monatelang betrogen hatte. Die Entdeckung der Affaire auf der Verlobungsparty. Wie er sich für John Paul entschieden hatte. Und wie John Paul ihn am Flughafen verlassen hatte. Wie er ihn überredet hatte, doch mitzukommen. Ihre gemeinsame Zeit in Dublin. Der schreckliche Vorfall im Pub. Er ließ nichts aus. Kaum hatte er den Anfang gefunden, da sprudelten die Worte nur so hervor. Während seines kleinen Vortrags durchlebte er noch einmal all die Gefühle, die er auch in der Zeit mit John Paul durchlebt hatte. Er konnte seine Liebe tief ihn sich brennen spüren. Er bemerkte die Schmetterlinge, die immer noch durch seinen Bauch flatterten, wenn er von John Paul sprach. Er fühlte die Schuld und den Schmerz. Ja, der Schmerz. Hatte er ihn in den letzten Monaten so konstant begeleitet, so erwischte er ihn jetzt wieder mit voller Wucht. Nur mit Mühe konnte er die Tränen zurückhalten, als er endlich bei dem Abend ankam, an dem er bemerkt hatte, dass John Paul nicht mehr bei ihm war. Die beiden Männer am anderen Ende des Zimmers hatten die ganze Zeit still zugehört. Sie hatten an den passenden Stellen genickt und hier und da eine Frage gestellt. Aber nie hatten sie über ihn geurteilt. Nie hatten sie das Gesicht verzogen oder ihn abfällig angeschaut. Nein, da war nur Verständnis und vielleicht auch ein Funken Mitleid. Mitleid für den Schmerz, den der junge Mann vor ihnen sich selbst zugefügt hatte.

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