(Heute ist ja Feiertag, richtig? Also hier mal eine Kleinigkeit für meine beiden eisernen Leserinnen. :-D)
Müde rieb er sich die Augen und hob langsam den Kopf. Ein ungeahnter Schmerz durchzuckte seinen Schädel. Langsam kamen die Erinnerungen wieder. Ein Blick auf die Wodkaflasche ließ alles klar erscheinen. „Mensch Öztürk, so geht das nicht mehr.“ Vorsichtig versuchte er wenigstens eins seiner beiden Augen aufzuhalten, doch das Licht seine Nachtischlampe brannte zu grell und entzündete immer wieder neue, kleine Explosionen in seinem Kopf. Doch plötzlich registrierte er das leise Summen seines Handys. Leise, fast unbemerkt hatte es zweimal gesummt. Himmel, um diese Uhrzeit? Ein Blick nach draußen hatte Deniz merken lassen, dass er den Großteil des Abends wohl verschlafen hatte, denn am Himmel prangte ein riesiger Vollmond. Langsam grapschte er nach seinem Handy und klappte er auf. Schlagartig war er hellwach und nüchtern. „Eine neue Nachricht“. Der Name darunter ließ ihn erschauern. Roman. Er schluckte schwer und vorsichtig drückte er auf den Zeigen-Knopf.
„Ich habe gelogen.“
Verwirrt schüttelte Deniz seinen Kopf. Vielleicht waren es noch die Überreste des vielen Wodkas, vielleicht war diese Nachricht auch nie für ihn bestimmt gewesen. Doch, sie war für ihn. Auch wenn er ihren Inhalt nicht verstand, so sagte sein Herz, dass sie auf jeden Fall den richtigen Empfänger erreicht hatte. Mit zittrigen Fingern tippte er etwas in sein Handy und noch bevor er es sich anders überlegen konnte, war er auch schon auf senden gegangen.
Roman war irgendwann in einen unruhigen, hellen Schlaf gefallen. Er konnte nicht mehr weinen, er hatte das Gefühl vollkommener Leere erreicht. Doch heute waren nicht einmal seine Träume gnädig mit ihm. Hatte er sich so gewünscht, wenigstens im Traum noch einmal mit ihm vereint zu sein, so war sein Schlaf heute Nacht genauso leer und sinnlos wie seine Gefühlswelt. Ein Piepsen ließ ihn aufschrecken. Sein Handy, immer noch fest von seiner Hand umklammert, hatte endlich Laut gegeben. Augenblicklich war er wach. Er wusste, von wem die Antwort kam, er hatte so lange gewartet und nun wusste er es schon, bevor er die Nachricht überhaupt öffnete. „?“ Roman musste lächeln. Er war also doch zu wage gewesen. Er hatte tausend Mal an der SMS rumgefeilt. Hatte sie wieder und wieder umformuliert und wieder gelöscht. Zu groß war die Angst, zu viel Preis zu geben. Er stand auf dünnem Eis und er war sich wohl bewusst, dass Deniz ihn mit einem Schlag versenken könnte. Und ob er das noch einmal überstehen würde, daran hatte er berechtige Zweifel. Er atmete tief ein. Doch jetzt würde er das Risiko wohl eingehen müssen.
Wie gebannt starte Deniz auf sein Telefon. Das verdammte Plastik schien eine Ewigkeit zu brauchen, um zu klingeln. Doch endlich spürte er das erlösende Vibrieren in seiner Hand. „Ich habe gelogen, als ich sagte, es geht mir gut. Es ging mir nie schlechter….“ Deniz las die Nachricht mit zittriger Hand. Wieder und wieder las er sie, als wenn er sie sich einprägen wollte, jedes einzelne Wort. Jedes Wort geschrieben von seiner Liebe. In ihm begann eine kleine Flamme zu glühen. Geboren aus einer Glut, die er schon lange für tot gehalten hatte. So wie er schon sich selber für tot gehalten hatte. Seit Wochen hatte er sich nicht so lebendig gefühlt. Dies war ein Zeichen, Deniz war sich sicher, dies war Romans Art. Aufgeregt tippte er ein paar Worte in sein Handy. Schnell und zittrig. Er musste mehrfach Worte wieder löschen, einzelne Buchstaben. Doch endlich hatte er es geschafft und die nächste kleine Botschaft fand ihren Weg zwischen den Liebenden.
„Wo bist du? Für eine Sekunde lächelte er wieder. Doch nur um von den Schatten der Zweifel wieder eingeholt zu werden. Er wusste, wenn er Deniz jetzt schrieb, wo er war, dann würde er seinen Dämonen ins Angesicht schauen müssen. Dann würden sie es ein für alle mal klären. Er atmete tief durch und schickte seine Antwort auf ihren Weg.
Deniz war noch nie in seinem Leben so schnell gelaufen. Er hatte das Gefühl, dass er zu spät kommen würde, egal, wie schnell er nun lief. Das alles konnte doch nur ein Traum sein. Geschickt von der hässlichen Wodka-Fee. Dies war zu einfach. Es konnte nicht real sein. Doch trotzdem lief er weiter und weiter. Sekunden später hatte er das Loft erreicht und als er vom Fahrstuhl langsam nach oben gezogen wurde, wusste er nicht mehr, was überwog: Die Angst, die in seiner Brust schlug oder die kleine Flamme, die sein Herz fast verbrannte.
Aufgeregt lief er durch das Wohnzimmer des Lofts. Was hatte er da nur getan? Was hatte er sich bei dieser SMS-Schickerei überhaupt gedacht? Was hatte er Deniz denn überhaupt zu sagen? Nichts hatte sich geändert. Sie hatten sich nicht geändert. Und wie er zugeben musste: Auch seine Gefühle hatten sich nicht verändert. Aber….
Der Fahrstuhl war im Loft angekommen. Es trennten ihn nur noch eine Metalltür und seine erbärmliche Angst von dem Mann, den er liebte. Zitternd hob er die Hand und drückte gegen die Tür.
Roman hörte den Fahrstuhl. Herr Gott, das konnte jeder sein. Er war allein im Loft und jeder seiner Mitbewohner konnte es sein. Hör auf hier so rum zu spinnen, Roman. Doch sein Herz hatte ihm schon lange verraten, wer da seinen Weg endlich zu ihm zurückgefunden hatte.
Nun standen sie hier. Deniz, immer noch regungslos im Aufzug und Roman, der nur ungläubig auf die Tür starte. Es schien eine Ewigkeit zu vergehen, bis Deniz endlich den Mut fand und die schwere Tür aufstieß. Er trat einen Schritt ins Loft, doch blieb abrupt wieder stehen, kaum hatte er Roman erblickt. Auch dieser war beim Klang der Tür erstart. Langsam trafen sich ihre Blicke.
Er hatte nicht gewusst, was er Deniz eigentlich zu sagen hatte, doch ein Blick in die dunklen, ja fast schwarzen Augen seines Liebsten, machte ihn klar, warum er diese Sms geschickt hatte. Er wusste, dass er es keine Minute, ja keine Sekunde mehr ohne ihn aushalten würde. Ja, Worte waren wirklich unnötig. Seine Augen sagten mehr als genug.
Er hatte nicht gewusst, was er in diesem Loft vorfinden würde und er hatte auch nicht gewusst, was er sich wünschte, dort vorzufinden. Aber ein Blick in die blausten Augen der Welt machte ihm klar, was er gefunden hatte.
Ohne Worte bewegten sie sich aufeinander zu. Vorsichtig und langsam, als wenn sie bei jeder schnellen, unbedachten Bewegung fürchteten, diese unreale Sequenz zu zerstören. Das sie wieder aufwachen würden, beide in ihren Betten, beide allein. Es trennten sie nur noch wenige Zentimeter als sie endlich stoppten. Sie konnten beide, die Wärme des anderen Körpers spüren, den Atem hören. Ihre Augen, die ganze Zeit in denen des anderen gefangen. Langsam hob Roman seine Hand und fuhr mit ihr seinen Nacken entlang. Endlich an der richtigen Stelle angelangt, zog er ihn vorsichtig zu sich herunter. Sein Kuss war mehr ein Hauch, mehr das Berühren einer Feder, doch für Deniz war es wie ein Blitzschlag. Gierig schlang er seine Arme um Romans Hüften und zog ihn zu sich heran, bevor ihre Münder in einem heißen, verzehrenden Kuss aufeinander prallten. Hungrig suchten ihre Zungen das geliebte Gegenstück und führten einen Kampf, den keiner gewinnen wollte. Schnell glitt Deniz Hand unter Romans T-Shirt und mit zielsicheren Handgriffen befreite er ihn von diesem lästigen Fetzen Stoff. Für einen Augenblick löste er sich von ihm und ließ seinen Blick über den wohlgeformten Oberkörper seines Liebsten fließen. Fast so als wenn er sich jede Rundung, jeden Muskel wieder ins Gedächtnis rufen wollte. Roman erschauerte unter diesem Blick. Zu gerne hätte er ihn wieder an sich gezogen, ihn weiter geküsst, doch zu sehr genoss er Deniz hungrigen Blick auf seinem Körper. Langsam näherte sich Deniz wieder und seine Hände strichen zögerlich, doch trotzdem fordernd über Roman. Dieser hatte die Augen geschlossen. Zu sehr genoss er das Spiel. Deniz liebkoste ihn überall. Er schickte seine Hand auf eine Wanderschaft. Eine Wanderschaft, dessen Freuden er schon fast vergessen hatte. Als er endlich da angelangt war, wohin er die ganze Zeit schon gewollt hatte, konnte er Romans leises Stöhnen hören. Er lächelte. Er liebte es, wenn er ihn zum stöhnen brachte. Zu verführerisch sah sein Gesicht dann aus. Er nahm seine andere Hand und legte sie Roman vorsichtig auf die Wange und küsste ihn. Erst leicht und sanft, dann fordernder und leidenschaftlicher. Dieser Kuss schien auch Roman aus seiner Passivität zu befreien und auch seine Hände gingen auf die Reise. Schnell entledigte er sich Deniz Jacke und dessen Shirt. Voller Verlangen zog er seinen gut gebauten Liebsten wieder an sich. Seine warme Haut auf der seinen, er hatte fast vergessen, wie gut es sich anfühlte. Endlich konnte er ihn wieder riechen, ihn wieder schmecken. Ein wohliger Schauer überkam ihn. Langsam ließ er seine Lippen nach unten wandern. Der süßliche Geschmack der warmen Haut. Und endlich hatte er gefunden, was er so lange vermisst hatte.
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1 Kommentar:
Du solltest jetzt mein dämliches Grinsen sehen. *g* Jetzt kann ich mich wieder (für's erste) beruhigt zurücklehnen und genüßlich auf das warten, was du noch im Petto hast. Danke für den Feiertagsbonus. :)
PS: Die SMS-Nachrichten waren klasse und so passend. Und den Rest fand ich auch wieder wunderbar gefühlvoll beschrieben.
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