Donnerstag, 1. Mai 2008

Dero - Liebe allein - Part 12

Da war er also nun wieder. Zurück in seiner kleinen Hölle. Der Zusammenstoß mit Roman hatte ihn komplett aus seiner neu geordneten Bahn geworfen. Und so sehr er sich auch bemühte, so schien sein Tank an Erinnerungen bei diesem Treffen nun endgültig Leck geschlagen. So tropften stetig immer wieder kleine und große Erinnerungstropfen auf ihn nieder und langsam drohte er in ihnen zu ertrinken. Heimlich hatte er sich von Marian eine Flasche Wodka „geliehen“ und schenkte sich ein Glas nach dem nächsten ein. Er ertrug diese ganzen Gedanken und Erinnerungen nicht. Er ertrug seine eigenen Gefühle nicht. Er wollte nichts mehr spüren, nichts fühlen. Doch unbarmherzig tropfte eine Erinnerung nach der nächsten und quälte ihn ohne unterlass. Roman und er auf der Tischtennisplatte, der zärtlichste und liebevollste Kuss, an den er sich erinnern konnte. Er leerte das nächste Glas auf ex und schenkte sich sofort wieder nach. Ihre erste gemeinsame Nacht im Loft und die Dusche danach. Wie sie sich unter dem heißen Wasser noch mal geliebt hatten. Langsam und zärtlich. Ohne Hunger und Verlangen. Einfach nur aus Liebe. Das nächste Glas verlor seinen Inhalt. Ihr erstes gemeinsamer Streit wegen des Weihnachtsgeschenks und wie zuckersüß die Versöhnung gewesen war. Erst diese lieblichen, zarten Küsse unter dem Baum. Danach hatte Roman ihn mit ins Loft genommen und aus lieblich und zart war leidenschaftlich und wild geworden. Und wieder fand der Inhalt des Glases sein Ende in Deniz Kehle. Er schüttelte sich, als der Wodka in seinem leeren Magen ankam. Er ertrug das alles nicht mehr. Seine schön zusammengeschnürte Selbstbeherrschung, sein ganzer Selbstbetrug. Alles war in dem Moment zusammengebrochen, als er diesen geliebten Körper berührt hatte. Ein Blick in diese blauen Augen hatten genügt, um die Stimme in seinem Kopf beständig das Wort Lügner schreien zu lassen. Und ja, was war er für ein Lügner. Wie hatte er Roman und vor allem sich selber so belügen können. Es ging ihm nicht gut. Er war so weit von gut entfernt, wie ein Mensch wohl nur seien konnte. Verzweifelt wischte er sich mit einer Hand über die Augen. Als er an seinem Haaransatz angekommen war, packte ihn die Wut. Warum hörte das nicht einfach auf? Warum musste ihn das so quälen? Seine Hand krallte sich in das dichte, schwarze Haar, während die andere das kleine Wodkaglas gegen die Wand warf, welches dort augenblicklich in tausend, glitzernde Teile zersprang. Er lächelte bitter. Ja, genau so hatte sich sein Herz angefühlt, als Roman ihm sagte, dass es ihm gut ging. Es war zersprungen. In tausend kleine glitzernde Teile. Er nahm einen beherzten Schluck direkt aus der Wodkaflasche.

Roman saß auf seinem Bett, das Handy in der Hand. Der Zusammenstoß mit Deniz hatte ihn nachdenklich werden lassen und so war er kurz darauf wieder ins Loft verschwunden und hatte, ganz entgegen seiner Gewohnheit der letzten Wochen, wieder einmal alle Trainingseinheiten abgesagt. Aber er musste nachdenken und er wusste, dass er in diesem Zustand nicht trainieren konnte. Lieber einen Tag aussetzen und seine Maske der Selbstbeherrschung und Gefühlsverweigerung wieder herstellen. Das war jetzt wichtiger. Nervös kaute er an seinen Fingernägeln. Sollte er das jetzt wirklich tun? Wieder und wieder schaute er auf die Nachricht. Und wieder und wieder dachte er an ihren Zusammenstoß, wie alleine ein Blick in seine Augen ausreichte, um ihn zum Lächeln zu bringen. Einfach so war er wieder glücklich gewesen. Nur weil er in diese Augen schauen konnte, weil er seine Anwesenheit spüren konnte. Das erste Mal, seit einer Ewigkeit, hatte er sich nicht mehr nur halb gefühlt. Diese Liebe war den ganzen Kummer und Schmerz nicht wert. Wie hatte er nur so dumm sein können. Natürlich war die Liebe zu Deniz allen Schmerz und allen Kummer dieser Welt wert. Und wenn er auch leiden würde wie ein Hund. Das alles war es wert, wenn er danach nur für wenige Minuten in die Arme seines Liebsten fliehen konnte. Alle Anfeindungen, alle Probleme. Alles würde er bestehen, wenn er nur wusste, dass er da war. Wie hatte er nur an dieser Liebe zweifeln können. Beherzt drückte er auf senden. Er musste einfach wissen, ob es da noch etwas gab, ob er sich auch nur etwas Hoffnung machen konnte, ob Deniz auch nur etwas noch fühlte wie er.

Deniz lag bäuchlings auf seinem Bett, die fast leere Wodkaflasche ansehnlich neben ihm drapiert. Nach unzähligen weiteren Schlucken des klaren Schnapses war er irgendwann eingeschlafen. Die gütige Decke des Schlafes hatte ihn also doch endlich eingeholt und er hatte sie nur zu gerne begrüßt, bedeutete Schlaf doch wenigstens ein paar Stunden ohne den Schmerz, ohne den Kummer. Und so bemerkte Deniz auch nicht, wie sein Handy zweimal leise vibrierend über das weiße Laken tanzte. Zu weit war er weg. Eingetaucht in eine Welt, die gnädiger mit ihm war. Eine Welt in der er seine Lieben noch nicht verloren hatte.

Roman kaute aufgeregt auf seinen Nägeln. Er wusste, dass Deniz und sein Handy eine symbiotische Beziehung führten und so war er sich sicher, dass er die Nachricht schon lange erhalten haben musste. Er hielt sein eigenes Handy so krampfhaft in der Hand, das die Knöchel weiß hervor stachen. Vielleicht wollte Deniz ja auch nichts mehr mit ihm zu tun haben? Wer wusste das schon. Er starte weiter ohne Unterlass auf das kleine Plastikgehäuse in seiner Hand. Jetzt klingel schon. Doch nichts geschah, seine kleine zaghafte Verbindung zu Deniz blieb still. Nach zwei Stunden des Wartens gab er auf. Nicht nur das Warten, sondern auch den kleinen, schwachen Funken Hoffnung, der seit ihrem Treffen zögerlich in ihm gebrannt hatte. Es gab jetzt kein zurück mehr. Das wurde ihm klar. Langsam ließ er sich zur Seite fallen und ein paar Tränen fanden ihren Weg in sein Kissen.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Okay, dir ist ja wohl klar, dass auch ich jetzt solange auf den Nägeln kaue, bis es weitergeht?

Ich konnte das Leiden der Beiden so richtig fühlen. Was Roman Deniz wohl geschrieben hat? Diese Spannung...

Anonym hat gesagt…

Ach so. Und deine Auswahl von Deniz' Erinnerungen ist perfekt. Dieser Kuss auf der Tischtennisplatte gehört zu meinen Lieblingsküssen und die Versöhnungsszene nach dem Petra-Kuss liebe ich total. Und wie du das (und die Dusche nach dem ersten Mal) weitergsponnen hast...genauso habe ich mir das auch immer vorgestellt. :)

Anonym hat gesagt…

geisterleserin 1

oh mann ... oder sollte ich besser oh frau sagen? ^^

Ich finde es wunderbar wie du deine geschichte weitergesponnen hast. ABER doch nicht so KURZ! :)

Da ist wohl noch weiteres warten angesagt bis die beiden sich wieder im arm halten können was?

Lass uns aber nicht zu lange warten, gell?