Donnerstag, 1. Mai 2008

Dero - 10 Ansichten von Liebe - Simone

(Ja, ist denn heute schon Weihnachten? Nein, aber ich hab grade einen aktuellen Part zuende geschrieben und dachte mir, den poste ich mal fix hier, bevor der noch an andere Stellen verteilt wird.)

Simone
Müde gehe ich zu meinem Auto. Der Tag heute war unglaublich anstrengend. Diese Vorstandsitzungen mit unseren Geldgebern strengen mich immer wahnsinnig an. Ich muss lächeln, muss charmant sein und dabei noch den Eindruck vermitteln, dass ich alle Zügel wirklich komplett in der Hand habe. Nennen wir das Kind einfach beim Namen: Ich muss schauspielern. Ich kann das zwar wirklich gut. Das weiß ich auch. Die Jahre der Übung haben sich bezahlt gemacht. Doch ich muss zugeben: umso älter ich werde, umso müder werde ich dem ganzen Kram. Dieses freundliche Kaffeenachschenken, das aufgesetzte Lächeln. Ja, ich glaube, langsam werde ich dieses Spiels müde. Mit einem leisen Seufzen nehme ich meine Handtasche und suche nach dem Autoschlüssel. Ich werde es einfach nicht lernen ihn vorne in das kleine Fach zu tun. Nein, ich werde es nicht lernen. Dabei hat Jenny mir doch extra diese Tasche gekauft. Sie weiß doch, wie lange ich immer nach meinem Schlüssel kramen muss. Wie oft hat sie mich deshalb schon ausgelacht. Der Gedanke an meine wunderschöne Tochter bringt mir ein kleines Lächeln auf die Lippen. Ja, sie ist ein gutes Kind. Ich weiß, dass sie nicht einfach ist. Ich weiß, dass viele Leute sie nicht mögen. Doch für mich wird sie immer meine kleine Prinzessin bleiben. „Einen schönen Abend noch, Frau Steinkamp.“ Eine bekannte Stimme schreckt mich aus meinen Gedanken. Irritiert drehe ich mich um. Herr Wild steht mit dem kleinen Öztürk lächelnd vor mir. „Danke. Ja, wünsche ich Ihnen auch.“ Ich bin etwas perplex. Solche freundlichen Grüße bekomme ich eigentlich nicht. Meist huschen meine Angestellten still an mir vorbei. Sind froh, wenn sie unerkannt entkommen. Doch Herr Wild scheint es ernst zu meinen. Sein Lächeln ist so aufrichtig und ehrlich. Herrn Öztürk dagegen ist das ganze wohl nicht so geheuer. Er traut sich nicht mal mir in die Augen zu schauen. Ob er wohl glaubt, dass ich wütend auf ihn bin wegen Vanessa? „Ja, auf Wiedersehen, Frau Steinkamp.“ Er schaut betreten auf seine Schuhe, während er den Gruß halbherzig hervormurmelt. Seine Unsicherheit bringt mich fast zum Lachen. Doch ich verkneife es mir und stattdessen lächle ich einfach nur zurück. „Einen schönen Abend Ihnen beiden.“ Ohne jegliche Verwunderung registriere ich, wie Herr Wild die Hand des Dunkelhaarigen nimmt und ihn liebevoll anschaut, bevor die beiden offensichtlich ihren Heimweg antreten. Herr Öztürk scheint recht dankbar für die schnelle Flucht. Er schaut erleichtert zu dem kleinen Eisläufer hinunter. Ich widme mich wieder meiner Handtasche und der Suche nach dem verschollenen Schlüssel. „Musstest du der alten Steinkamp jetzt noch so überschwänglich auf Wiedersehen sagen?“ Aus den Augenwinkeln beobachte ich, wie Herr Öztürk leise Herrn Wild anzischt. Doch dieser lacht nur. „Wieso? Sie ist meine Chefin.“ „Ja, sie ist aber auch…“ Er bricht ab. Jetzt spitze aber doch meine Ohren. Nicht, dass ich neugierig wäre. Her Wild lacht. „Was? Deine Fast-Schwiegermutter?“ Mit entsetzen Blick bringt Herr Öztürk nur ein „Roman“ hervor. Doch dieser scheint das ganze nicht so ernst zu nehmen. „Was denn? Ist doch so oder nicht? Du warst mit Vanessa zusammen.“ Der Größere hebt nur unsicher die Schultern. „Ja, aber…“ Weiter kommt er nicht. Vielleicht weiß er nicht, was er noch sagen soll. Ein großer Redner schien er mir eh nie gewesen zu sein. „Was denn, Deniz? Jetzt mach dir mal keinen Fleck ins Hemd. Wir sind grade an der Mutter deiner Ex und meiner Chefin vorbeigegangen und haben uns nett verabschiedet. Also wo liegt das Problem?“ Herr Wild scheint in vielen Dingen wirklich bodenständig zu sein. Hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Sind Schwule nicht eher theatralisch, dramatisch? Hätte er jetzt nicht eher eine Szene hinlegen müssen? Ich weiß, dass ihm die kurze Affaire zwischen meiner Tochter und seinem Freund mächtig zugesetzt hat. Aber wem hätte es das auch nicht? Wenn ich an Richard und seine ganzen Fehltritte denke. Ich lächle traurig. Ja, das hat immer wehgetan. Bis in den letzten Winkel meiner Herzens. Und zwar nicht, wegen der anderen Frauen oder dem Sex. Nein, weil es mir das Gefühl gegeben hat, dass ich es nicht wert bin. Dass ich nichts wert bin. Das war immer das schlimmste. Ich frage mich, ob Herr Wild das wohl ebenso empfunden hat. Wäre ich nicht ich, dann hätte ich ihn vielleicht gefragt. Hätte ihn gefragt, ob er ebenso das Gefühl gehabt hat, dass er es einfach nicht wert war, dass man ihn liebte. Ja, das hätte ich gefragt. Aber ich bin nun mal ich. Und ich frage solche Dinge nicht. Langsam werden die Stimmen leiser. Ich war so in Gedanken, dass ich den Rest der Unterhaltung nicht mehr gehört habe. Aber als ich in die Richtung schaue, in die die beiden verschwunden sind, kann ich zwei Siloutten erkennen. Wie sie Arm in Arm den Weg hinuntergehen. Der Kopf der Kleineren ist an die Schultern des anderen gelehnt. Ja, ich denke, sie haben es geschafft. Ich denke, sie sind wieder da, wo sie hingehören.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Nee, zum Glück ist noch nicht Weihnachten. Ich hätt schon gerne noch ein bisschen Sommer vorher. *g*

Da hast du die gute alte Simone echt super eingefangen. Mit Sentimentalitäten hat sie's ja nicht so aber trotzdem hat sie die Beiden richtig erkannt. Auch bei Deniz kommt super raus, dass er mal wieder versucht, vor den unangenehmen Dingen zu fliehen und Roman, der ihn ganz schnell wieder auf den Boden holt. Das kann der Hase ja auch gut und finde ich auch so interessant an ihm - dass er sowohl vernünftig ist als auch manchmal über's Ziel hinausschießt.

Bin echt auf deinen nächsten Schlag gespannt.

Heartbreak hat gesagt…

danke schöööhööön..

fand simone etwas schwierig... aber ich bin auch absolut der meinung, dass die nicht nur eiskalt ist, sondern das die auch ihre gründe hat, warum sie so ist.. und ja, der kleine deniz ist immer noch etwas schüchtern, wenn man das so nennen will.. *kicher..