Roman
Müde gähne ich und reibe mir die Augen. Die Sonne steht schon ziemlich hoch am Himmel und verrät mir, dass ich mein Krafttraining sicher schon verpasst hab. Aber ich hab es nicht eilig aus diesem Bett zu kommen. Dann hab ich das Training eben verpasst. Und? Unglaublich, dass diese Gedanken wirklich von mir kommen. Bis vor einiger Zeit wären sie absolut unmöglich gewesen. Ich hätte niemals ein Training verpasst. Nicht mal eine schwere Erkältung konnte mich davon abhalten. Wie oft hat Mike mich schon nach Hause geschickt, weil ich eigentlich gar nicht in der Verfassung war zu trainieren. Doch das alles ist jetzt anderes. Ich bin anders. Und ich befürchte, an dieser Änderung ist der junge Mann, der da neben mir so selig schnarcht, nicht ganz unschuldig. Mit einem Lächeln schaue ich zu ihm hinüber und registriere amüsiert, dass er seinen Kopf einmal mehr unter dem Kissen hat, anstatt ihn wie andere Menschen auf dem Kissen zu drapieren. Ja, er ist schon was Besonderes. Das wusste ich schon in dem Moment, als ich ihn das erste Mal gesehen hab. Ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas mal passiert. Ich hatte Liebe auf den ersten Blick immer für einen Mythos gehalten. Aber als er damals so cool und lässig zur Pommesschranke gelaufen kam, da war es um mich geschehen. Ich hab ihn nur einmal lächeln sehen müssen und ich war verloren. Ich weiß, das klingt furchtbar kitschig und süß. Und ja, manch einer wird sagen, dass passt zur Schwuchtel. Aber nein, eigentlich bin ich nicht der Typ für so was. Klar, ich bin schon romantisch und so was. Ich stehe total auf Mädchenfilmzeug und heule mir bei Titanic mit Anette jedes Mal die Augen aus. Aber das ist was anderes. Wenn es daran geht, mein Herz zu verschenken, dann bin ich anders. Ich weiß nicht, woran es liegt. Aber eigentlich ist es schwer mein Herz zu rühren. Wenn man es dann aber geschafft hat, dann ist es treu und ewig für den anderen da. Das betrifft Freunde und auch die Liebe. Doch Deniz hat das unmögliche geschafft. Er hat mein Herz im Sturm genommen. Ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden, was es heißt, diesen ungestümen und vor allem viel zu jungen Mann zu lieben. Und egal, wie sehr ich seitdem dagegen angekämpft habe, ich konnte nicht damit aufhöre. Ich sage ja, dass ist das Problem mit meinem Herz. Wenn es erst berührt wurde, dann ist es treu. Aber wenn ich jetzt neben mich schaue und Deniz sich dort mit einem Grummeln von einer Seite auf die andere schmeißt, dann weiß ich, dass mein Herz das Richtige getan hat. Es hat nicht aufgegeben. Und um nichts in der Welt würde ich diesen Moment jetzt eintauchen wollen. Würde ich keinen Moment mit Deniz jemals hergeben wollen. Nein, gegen nichts in der Welt. Selbst wenn wir streiten, bin ich froh, dass ich mit IHM streite. Außerdem gibt es ja immer noch die Versöhnung. Ich muss grinsen, als das Wort Versöhnung durch meinen Kopf huscht. Genau das hat uns doch erst hierhin gebracht. Gestern Abend. Dieser Streit über irgendwelche Nichtigkeiten. Ich weiß jetzt schon nicht mehr, worum es eigentlich ging. Aber an die Nacht, an die kann ich mich gut erinnern. Und daran, dass es draußen schon fast hell war, als wir endlich geschlafen haben. Mit einem Lächeln versuche ich noch etwas näher an Deniz heranzurutschen, was bei seinen abenteuerlichen Schlafgewohnheiten gar nicht so einfach ist. Aber ich bin das schon gewohnt. Mit einem gekonnten Griff hebe ich seinen Arm und schlüpfe hinunter. Er liegt jetzt praktisch auf meiner Brust. Er schläft zwar immer noch, doch kaum hat er im Schlaf meinen warmen Körper bemerkt, zieht er ihn auch schon näher an sich heran. Macht er das unbewusst? Ist ihm das alles schon so sehr in Fleisch und Blut übergegangen? Ich drücke ihn einen sanften Kuss auf das Haar. Die ungewohnte Berührung scheint ihn ausgeweckt zu haben. Mit einem kleinen Grunzen beginnt er sich zu strecken und murmelt irgendetwas Unverständliches in sein Kissen. „Gute Morgen, mein Schatz.“ Hauche ich ihm ins Ohr, was ein Stückchen unter dem Kissen hervorlugt. Doch wenn ich jetzt eine ebenso romantische Begrüßung erwarten würde, wäre ich sicher bitter enttäuscht. Deniz grunzt nur erneut und bugsiert das Kissen wieder komplett auf seinen Kopf. „Schatz.“ Ich rüttle ihn zärtlich an. „Du musst aufstehen. Es ist schon fast zwölf.“ „Nur noch fünf Minuten.“ Die Stimme unter dem Kissen klingt schläfrig und flehend. Ich muss lachen. Fehlt eigentlich nur noch, dass er Mutti dahinter hängt. Doch so leicht lass ich ihn nicht davonkommen. Ich hab so meine Methoden. Als erstes wird das Kissen genommen. Deniz versucht sich zu wehren, doch ist er immer noch zu schlaftrunken, um wirklich Gegenwehr leisten zu können. Mit zusammengekniffenen Augen versucht er verzweifelt unter mein Kissen zu schlüpfen, um dem hellen Tageslicht noch etwas länger zu entfliehen. „Nix da. Das ist mein Kissen.“ „Dann hättest du mir vielleicht meins nicht wegnehmen sollen.“ Er klingt grantig, aber immerhin nicht mehr verschlafen. „Och, ist mein Kleiner jetzt beleidigt?“ Mein Mitleid hält sich wahrlich in Grenzen. Doch er bringt nur ein trotziges Ja hervor, was mich wieder zum Lachen bringt. „Na, vielleicht sollte ich es dann wieder gut machen.“ Der Klang meiner Stimme lässt Deniz aufhorchen. Sein gesamter Körper spannt sich an. Vorsichtig öffnet er die Augen und schaut mich an. Es braucht nur einen Blick in mein Gesicht, um ihm zu sagen, was ich eigentlich möchte. Mit einem Grinsen im Gesicht stützt er sich auf und kommt so auf Augenhöhe mit mir. „Na, was schwebt dir denn da so vor? Kissenraub ist eine wirklich schwere Straftat. Da musst du dir schon was für einfallen lassen.“ Von Müdigkeit ist jetzt keine Spur mehr, doch ich weiß, dass wir trotzdem in nächster Zeit nicht aus dem Bett kommen werden. Aber warum auch? Dieses Bett und seine Arme sind der schönste Platz auf Erden. Es gibt nichts, wo ich lieber wäre.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

4 Kommentare:
Mein Gott, du bist vielleicht fleißig. :-)
So eine schöne Szene sollten sie echt mal drehen (auch wenn ich sie eigentlich auch schon so vor meinem inneren Auge gesehen habe). Und auch wenn ich mich wiederhole, genauso sehe ich die Beiden auch. Zeigt genau den etwas verschrobenen Deniz-Charme mit Romans Augen.
ich muss gestehen, ich war im nachinein auch sehr zufrieden mit dem stückchen.. hatte gestern anfänglich so meine probleme, aber nach zwei stunden ist es dann irgendwann gewuppt..
Also ich fand's ziemlich charakterorientiert. Speziell Oli ist ja doch sehr einfühlsam, soweit ich das bis jetzt beobachtet habe.
geisterleserin 1
i sag nur eins:
WEITER mit
dero!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
:)
bist spitze ^^
Kommentar veröffentlichen