Axel
„Jetzt hier aber mal langsam ein bisschen zackig.“ Ich trommle entnervt auf der Theke herum. Wofür werden diese Mädels hier eigentlich bezahlt? Fürs Quatschen oder fürs Kaffee kochen? Für zweiteres kann es auf keinen Fall sein. Ich stehe hier jetzt sicher schon zwei Minuten und bisher wurde lediglich von meiner Anwesenheit Kenntnis genommen. Aber ist schon jemand gekommen und hat nach meiner Bestellung gefragt? Nein, natürlich nicht, Alles inkompetente Labertanten. Wirklich. Wenn ich hier was zu sagen hätte… Aber egal. Ich hab hier nichts zu sagen. Ich bin hier nur der Lakai für alle. Einmal, ja einmal war ich so kurz davor, das zu ändern. Da hatte ich die Zügel in der Hand. Da lief hier alles, so wie ich das wollte. Und da kam mein Kaffee auch nicht erst, nachdem ich fünfmal auf den Tresen gehauen hab. „Hallo? Bekommt man hier auch mal so was Ähnliches wie ne Bedienung?“ Ich schnaube leise. Aber mehr als einen genervten Seiteblick bekomme ich nicht von Camilla. Sie steht weiterhin mit Diana an der Theke und beobachtet irgendwas sehr angestrengt. Die beiden Frauen sind breit am grinsen und tuscheln angeregt. Verwundert folge ich ihrem Blick. Als ich endlich den Gegenstand ihres Interesses entdecke, weiß ich nicht, wie ich reagieren soll. Da sitzen sie zusammen. Herr Wild und der junge Öztürk. Sie sitzen in der kleinen Nische neben der Theke und lächeln sich an. Zärtlich fährt Herr Wild dem Öztürk durch die Haare. Dieser scheint das sichtlich zu genießen. Na, kann man so was denn nicht zu Hause machen? Muss man so was immer in aller Öffentlichkeit machen? Muss man anderen so unter die Nase reiben, wie glücklich man ist, wie schön sich Liebe anfühlt? Ich drehe mich weg und rufe erneut nach Camilla. Endlich setzt sie sich in Bewegung und nimmt meine Bestellung auf. Endlich. Hat ja auch lange genug gedauert. Ich kann es mir nicht verkneifen, eine weitere Spitze in ihre Richtung abzufeuern, doch sie reagiert nur mit einem Lachen und verzieht den Mund. Ich glaube, sie ist jetzt extra langsam. Sie will mich ärgern. Großartig. Mein Blick zieht sich automatisch zurück zu dem glücklichen Paar in der Nische. Jetzt wird sich gegenseitig auch noch mit Weintrauben gefüttert. Bah, das ist doch widerlich. Wozu sind diese öffentlichen Gefühlbekundungen denn eigentlich gut? Ich will wirklich weggucken, doch irgendwas hält mich. Aus den Augenwinkeln betrachte ich sie weiter. Sie lachen gemeinsam über irgendeinen dummen Scherz. Es scheint auch gar nicht wichtig zu sein, worüber sie lachen. Manche Leute sind einfach albern. Ich schüttle den Kopf. Ja, albern, lächerlich und gefühlsduselig. So etwas ist doch wirklich nur schrecklich. Ich bin so froh, dass ich niemanden habe, der mich mit Weintrauben füttert oder mit mir zusammen über dumme Scherze lacht. Wer will so was denn schon? Ich lebe besser allein. Doch egal, wie sehr mein Verstand mir predigt, dass es das ist, was ich will, so sehr schreit mein Herz doch dagegen. Ich wage erneut einen Blick und die Liebe, die zwischen den beiden hin und her schlägt, gibt meinem Herz einen Stich. Da ist so viel Vertrauen, so viel Zuneigung, so viel Liebe. Hat mich schon einmal jemand so angeschaut? Hat irgendwer schon einmal so etwas für mich empfunden? Ich wage es zu bezweifeln. Ich lächele bitter. Jenny. Natürlich ist sofort der Gedanke an Jenny da. Was würde ich dafür tun, dass sie mich einmal nur so anschauen würde. Nur ein einziges Mal. Dieses Mal würde ich in meinem Herzen behalten und es würde mir vielleicht etwas Trost spenden, wenn ich wieder einmal ein Wochenende alleine zu Hause sitze. Ja, Sonntage sind immer die schlimmsten. Vielleicht würde es mir über einen Sonntag helfen. Sicher würde es das. Wenn Jenny mich nur einmal so anschauen würde, wie Herr Öztürk jetzt den Eisläufer anschaut. Ich glaube, ich wäre der glücklichste Mann der Welt. Alle dachten damals, als ich mit ihr verlobt war, dass es mir nur um das Geld ging. Ich denke, sogar meine Eltern haben das gedacht. Aber das ist nicht richtig. Ich habe Jenny geliebt. Ich habe sie von dem Augenblick an geliebt, als ich sie das erste Mal gesehen hab. Und ich liebe sie auch heute noch. Ich fürchte sogar, ich werde es auf meine verschrobene Art immer tun. Aber ich weiß, dass es nichts bringen wird. Meine Liebe ist nichts wert. Meine Liebe will niemand. Und Jenny ganz sicher nicht. Traurig betrachte ich das Paar an dem kleinen Tisch. Wissen sie wohl, wie viel Glück sie haben? Sind sie sich bewusst, dass ihnen etwas passiert ist, was nur wenigen Menschen jemals zuteil wird? Ich denke nicht. Sonst wären sie vorsichtiger, würden es nicht zulassen, dass sich jemand zwischen sie drängt. Dann hätte es keine Vanessa gegeben. Ist es fair, dass sie dann so ein Geschenk bekommen? Wenn sie doch gar nicht wissen, wie sie es behandeln müssen? Nein, fair ist es sicher nicht. Aber wer hat gesagt, dass Liebe jemals fair ist.
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2 Kommentare:
Jaaah! Genauso sehe ich Axel auch. Und dann noch die Vorstellung von unseren Süßen, wie sie sich gegenseitig mit Trauben füttern...mmmhh! Gefällt mir seeehr gut. :D
danke schön.. ja, ich finde, axel wird in der serie oft zu eindimensional dargestellt.. dabei ist er eigentlich ein ganz armes würstchen.. *schnuff..
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