Das kühle Glas an seiner Schläfe brachte seine Gedanken das erste Mal wieder zur Ruhe. Irgendwie hatten sich die Ereignisse verselbstständigt und er wusste selber nicht, wie dieser Tag, der eigentlich einer der glücklichsten seines Lebens werden sollte, sich so ins Gegenteil verkehren konnte. Vorsichtig wagte er einen Blick neben sich. Auch John Paul schien seinen eigenen Gedanken nachzuhängen. Gedankenverloren starrte er auf den kleinen Bildschirm, über den grade irgendein Cartoon flimmerte. Doch Craig wusste zu genau, dass John Paul nichts davon mitbekam. Zu weit war er grade weg. Er betrachtete die feinen Züge des Gesichtes neben sich. Die rosanen Lippen, die samtene Haut und als letztes die unglaublich blauen Augen. Craig hatte noch nie in seinem Leben solche Augen gesehen. Sie hatten das unwahrscheinlichste Blau der Welt. Sie waren fast wie strahlende Saphire, wenn John Paul lachte. Doch jetzt konnte Craig nichts von diesem Saphirblau erkennen. Die sonst so unglaublichen Augen waren wie Wolken verhangen. Er konnte genau sehen, dass John Paul immer noch tief verletzt war und das er sich bis in die Tiefe seiner Seele nicht sicher war, ob er die richtige Entscheidung getroffen hatte, als er Craig eine letzte Chance eingeräumt hatte. Wie gerne hätte er ihn nun in den Arm genommen? Ihm gesagt, dass er ihn nicht wieder enttäuschen würde? Aber er konnte es nicht. Es war wie eine unsichtbare Barriere, die er nicht überwinden konnte. Egal wie sehr er sich anstrengt. Aber er wusste, dass er sie irgendwann überwinden müsste, wenn er John Paul nicht gänzlich verlieren wollte. Und dieses Irgendwann musste ziemlich bald sein.
Gedankenverloren starrte er auf den Monitor. Die bunten Bilder, die vor seinen Augen flackerten, nahm er kaum wahr. Zu sehr hing er seinen eigenen Gedanken nach. Hatte er grade die richtige Entscheidung getroffen? Meinte Craig es dieses Mal ernst? Würde er wirklich ein einziges Mal sein Wort halten? John Paul hätte es nur zu gerne geglaubt, doch tief in seinem Inneren konnte er es einfach nicht. Zu tief saßen die ganzen Verletzungen, die früheren Lügen und die Vertrauensbrüche. Wie sollte er Craig vertrauen? Aber wie sollte er eine Beziehung mit ihm führen, wenn er ihm nicht vertraute? Er seufzte leise. Eigentlich war es aussichtslos. Aber wie sollte er ein Leben ohne Craig führen? Wie sollte er jemals wieder jemanden finden, den er so liebte, der ihn so vervollständigte? Wie sollte er ohne Craig Dean leben? Er schloss die Augen. Egal, wie er es drehte und wendete. Es gab keine Möglichkeit für ihn. Alle Optionen, die sich ihm boten, brachten ihn auf direkten Weg zu neuen Verletzungen und einem gebrochenen Herzen. Er konnte Craigs Blick auf sich die gesamte Zeit fühlen. Es ließ ihn erzittern, wie jedes Mal, wenn die braunen Augen sich auf ihn legten. Langsam öffnete er die Augen und schaute vorsichtig zur Seite. Als sich ihre Blicke trafen, wusste er es. Er war auf dem direkten Weg zur Endstation Herzbruch. Es würde ihn umbringen. Er wusste es. Aber wenn das der Preis für ein Zusammensein mit ihm war, dann war er gerne bereit das zu bezahlen.
Sonntag, 30. März 2008
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen