„Craig, es ist zu spät. Ich kann das alles nicht mehr. Ich kann kein Leben voller Lügen mehr führen. So sehr ich dich auch liebe, aber ich kann es nicht mehr. Es ist nicht so, dass ich es nicht wollen würde, aber ich kann es einfach nicht. Ich kann es nicht, ebenso wenig wie du mich jetzt küssen kannst.“ In John Pauls Augen glitzerten wieder die Tränen, als er mit einem festen Blick Craig anschaute. Er hatte keine Ahnung, wo diese Worte hergekommen waren. In seinem Herzen wollte er doch nur eins: den dunkeläugigen Mann in seine Arme schließen und ihn nie wieder gehen lassen. Craig war gekommen. Er hatte seinen Flug verpasst, hatte den Start in sein neues Leben versäumt, nur um ihn zu holen. Aber reichte das? War es nicht nur wieder ein kleines Stückchen Hoffnung, dass er ihm hinwarf, um ihn zu beruhigen, um ihn ruhig zu stellen? Craig hatte noch nichts wieder gesagt. Er schaute John Paul nur aus seinen unglaublichen braunen Augen an, die den Schmerz des jungen Mannes in jeder Einzelheit verrieten. „John Paul.“ Er flüsterte den Namen des Mannes mehr, als das er sprach. Ein Klang, welcher John Paul wieder einen Schauer über den Rücken jagen ließ. Niemand hatte jemals seinen Namen ausgesprochen wie Craig. Voller Gefühl, voller Zärtlichkeit. Jeder Klang spiegelte die Liebe wieder, die er für ihn empfand „Du hast recht. Ich weiß nicht, wer ich bin. Und du hast recht. Du verdienst mehr als das hier.“ Betreten schaute Craig zu Boden. Er konnte John Paul nicht in die Augen sehen. Er würde er nicht ertragen können, wenn er dort die Ablehnung gesehen hätte, die er so ängstlich erwartete. „Aber ich bitte dich. Hilf mir. Hilf mir dabei mich selber zu finden. Zeig mir, wer ich sein kann. Zeig mir, wie ich der Mann werden kann, den du verdienst. Ich liebe dich, John Paul. Du hast mein Leben für immer und komplett verändert. Ich will nicht wieder zurück, aber ich habe riesige Angst vor dem, was jetzt vor mir liegt. Himmel, ich hatte grade mal eine Woche Zeit. Bitte hab Geduld mit mir.“ John Paul sagte nichts. „Ich weiß, wie viel ich da verlange. Warum sollst du mir jetzt glauben, dass sich etwas ändert? Warum jetzt, nach all den Lügen, nach allem, was ich dir angetan hab. Aber ich bitte dich, vertrau mich nur noch ein einziges Mal. Ich enttäusche dich nicht. Ich will wirklich alles für dich tun, was ich kann. Aber ich brauche ein wenig mehr Zeit. Bitte.“ Mit einem Flehen in der Stimme hatte Craig geendet. Er wagte es nicht, hoch zuschauen. Er wagte nicht, in John Pauls Gesicht zu sehen. Er hatte in dessen blauen Augen immer alles lesen können. Er hatte jede Gefühlsregung des Mannes, den er so sehr liebte, in ihnen erkennen können. Dies war eine der Dinge, die er so sehr an John Paul liebte. Doch heute machte es ihm nur Angst. Angst davor, was er in den blauen Augen nun lesen würde.
Langsam bahnten sich Tränen ihren Weg an Craigs Wangen hinunter. John Paul stand immer noch schweigend vor ihm. Die Stille zwischen ihnen nahm Craig langsam alle Hoffnung. Er hatte verloren. Er hatte das Beste in seinem Leben einfach verloren. Ein leiser Schluchzer bahnte sich seinen Weg durch seine Kehle. Er hatte wirklich alles verloren. Doch plötzlich fühlte er die zarte Berührung einer Hand an seinem Kinn. Eine Hand, die er nur zu genau kannte. Die kleine Berührung ließ ihn zusammenfahren und so hatte er nicht mehr genug Kraft, sich der Hand zu wieder setzen, als sie sein Gesicht langsam nach oben drückte und ihn so zwang in die blausten Augen der Welt zu schauen. „Okay.“ Dieses kleine Wort traf ihn wie ein Blitzschlag. Er blinzelte nervös. Hatte er das grade richtig verstanden? „Ich sagte, okay.“ John Paul wiederholte seine Worte noch mal. Craig wusste nicht, wie er reagieren sollte. Er hätte den blonden Mann so gerne an sich gezogen, ihn geküsst, ihm gedankt, dass er ihm noch eine letzte Chance gab, aber mit unruhigen Blick schaute er um sich und sah die Menschen, die das ungleiche Paar auch so schon kritisch beäugten. Und natürlich sah er auch den kleinen Funken Schmerz in John Pauls Augen aufblitzen. Einen Schmerz, den er nicht schlimmer hätte spüren können, wenn es sein eigener gewesen wäre. „Dann gibst du mir noch eine Chance?“: Craig musste einfach sicher gehen. Er musste es hören. Er musste die Worte aus seinem Mund hören. „Craig, ich liebe dich. Du bist mein gesamtes Leben. Ich würde es mir nicht verzeihen, wenn ich uns jetzt aufgebe.“ John Paul lächelte ein trauriges Lächeln. Unsicher fuhr Craig fort: „Dann also doch auf nach Dublin?“ „Ja, auf nach Dublin.“ Schnell nahm der Ältere die beiden Taschen des blonden Mannes. Fast so als wenn er Angst hätte, er würde es sich vielleicht doch noch anders überlegen. „Schaffen wir den Flug noch?“ John Paul klang ungläubig. „Doch. Wenn wir uns jetzt beeilen, dann müssten wir es noch schaffen.“ Das erste Mal lächelte Craig ihn an. Es war nur ein kleines Lächeln, es war unsicher und traurig. Beide wussten, dass es noch eine Menge zu besprechen gab, dass sie noch eine Menge Probleme zu bewältigen hatten. Doch sie waren zusammen. War das nicht alles, was zählte? John Paul war sich da nicht mehr so sicher.
Samstag, 29. März 2008
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