Roman lag auf seinem Bett und hörte Musik. Er war immer noch verwirrt über die Vorkommnisse des Nachmittags. Er hatte diesen Kerl angeschmachtet, wie ein Verhungernder, der vor seinen Augen einen Schweinebraten erblickt. Roman schüttelte energisch den Kopf. Nein, das hatte nichts zu bedeuten. Nur weil er in einer Beziehung war, hieß das ja noch lange nicht, dass er nicht schauen durfte. So lange er zu Hause as, war alles okay. Und er war sich sicher, dass Deniz auch ab und an einen Blick riskierte. Himmel, sie waren nur in einer Beziehung und nicht tot. Und er hätte schon tot sein müssen, um von diesen unglaublich blauen Augen nicht fasziniert zu sein. Er hatte noch nie so helle Augen gesehen. Dieses Strahlen und Funkeln. Hmm. Roman versank wieder in die Erinnerung an die blauen Augen. Doch er wurde unsanft aus seinen Träumen gerissen, als es zögerlich an seiner Tür klopfte. „Ja?“ antwortete er dem Zeichen verwundert, denn eigentlich erwartete er heute Abend niemanden mehr. Vorsichtig öffnete sich die Tür und das verlegende Gesicht Deniz kam zum Vorschein. „Darf ich reinkommen?“ fragte er schüchtern. „Klar. Aber was machst du hier? Ich dachte, du müsstest in der 7 kellnern?“ Roman schaute ihn verwundert an. Deniz trat näher und setzte sich unsicher auf die Bettkante neben Roman. „Ja, müsste ich auch eigentlich. Aber mir ging da was nicht aus dem Kopf und das muss ich erst klären. Dad hat mir deswegen frei gegeben.“ Deniz schaute zerknirscht drein, während Roman nur noch Bahnhof verstand. Was konnte es denn sein, dass Deniz so aus dem Konzept gebracht hatte? Wie ein Blitz traf ihn die Erkenntnis. Hatte Deniz Roman an der Zentrumsbar gesehen? Hatte er seine Reaktion auf Tim bemerkt? Er musste heftig schlucken. Heiser sagte er: „Und was ist so wichtig, dass du es sofort klären musst?“
„Naja. Ich glaube, ich hab mich heute wie der letzte Vollidiot verhalten. Und dafür wollte ich mich entschuldigen.“ Roman atmete erleichtert aus. „Ich hätte dir vertrauen sollen. Außerdem ist es eh total dämlich von mir auf eine Frau eifersüchtig zu sein. Es tut mir wirklich leid. Bist du mir böse?“ Bei den letzten Worten hatte er sich zu Roman gewand und schaute ihn nun fragend an. „Ach Quatsch. Ich bin nicht böse. Ich muss sogar gestehen, dass ich ein kleines bisschen geschmeichelt war, als du heute die tausend Mal um den Ballettsaal getigert bist. Heißt es ja, dass du zumindest glaubst, dass ich so eine so gute Partie bin, dass sogar eine international erfolgreiche Sängerin sich für mich interessieren könnte.“ Er lächelte Deniz an. Dieser lächelte nur erleichtert zurück. „Puh, und ich dachte schon, dass du echt sauer wärst. Mir ist das erst nachher aufgefallen, wie peinlich das für dich gewesen sein muss. Die ganze Zeit schleicht dein eifersüchtiger Freund um dich herum.“ „Wenn ich ganz ehrlich sein soll, war es das auch ein wenig. Adriana dachte zeitweise schon, du wärst ein verrückter Fan oder so was.“ „Na das bin ich ja auch. Nur eben nicht von der Person, die dachte, dass ihr meine Aufmerksamkeit gilt.“ Lächelnd zog Deniz Roman näher an sich und gab ihm einen kleinen Kuss. „Aber ich verspreche dir eins: keine peinlichen Eifersuchtsauftritte mehr. Ich glaub, ich hab das heute kapiert.“ „Ach, so ein bisschen eifersüchtig darfst du ruhig bleiben.“ Entgegnete Roman und arbeitete sich mit seinen Lippen langsam an Deniz Hals herunter. „Ich glaub, das werde ich auch immer bleiben. Ich kann nämlich immer noch nicht glaube, dass so ein wunderschöner Mann wirklich allein nur mir gehören soll.“ Verliebt schaute er Roman in die Augen, bevor sie sich in einem langen und leidenschaftlichen Kuss verloren. Deniz Hände begannen zögerlich ihre Wanderschaft, während Roman sich völlig entspannt zurücklehnt. Er hatte die Augen geschlossen. Zu sehr genoss er jede der Berührungen. Sein Geist begann langsam abzudriften. Er hatte das Gefühl, zu schweben, so wunderbar fühlten sich Deniz vorsichtigen Finger auf seinem Körper an. Sein Geist bewegte sich immer weiter, raus aus dem Zimmer, raus aus dem Haus und plötzlich fand er sich im Zentrum wieder, und vor ihm die wunderbarsten blauen Augen der Welt.
Das Kaffee trinken nach dem Training schien langsam zur Tradition zu werden. Die ganze Woche hatten sie nun trainiert und sich jedes Mal danach zufällig an der Bar getroffen. Doch beide genossen ihren kleinen Abschlusskaffee sichtlich und somit war dieses kleine Ritual ihnen beiden wichtig geworden. Die Chemie zwischen ihnen stimmte einfach und somit verlief auch das Training mit einer Leichtigkeit, von der Roman es nicht mal zu träumen gewagt hätte. Adriana, oder Ria, wie sie lieber von Freunden genannt wurde, war sehr ehrgeizig und nahm das Training sehr ernst. Und mit der daraus resultierenden Konzentration kamen sie sehr gut voran. Ihr erster Auftritt würde am nächsten Wochenende stattfinden, doch Roman war sich sehr sicher, dass sie sich vor den ersten Runden nicht fürchten mussten. Insgeheim war er sich sicher, dass sie es bis ins Finale schaffen würden. Von Tim hatte er die ganze Woche nur flüchtig was gesehen und wenn er ehrlich war, war er darüber auch sehr froh. Zu schockierend war die Erkenntnis gewesen, dass er sogar an ihn gedacht hatte, als er und Deniz im Bett waren. Klar, jeder dachte dabei mal an andere Personen, das war ihm auch schon passiert. Doch noch nie war es mit Deniz passiert und vor allem war es noch nie eine real existierende Person gewesen. Es war doch irgendwie etwas ganz anderes, ob man nun an Jack Sparrow dachte oder an eine Person, die man grade kennen gelernt hatte. Er hatte sich danach sehr schäbig gefühlt, aber für seine Gefühle kann man ja eigentlich nichts. Außerdem liebte er Deniz. Und eigentlich war ja auch gar nichts passiert.
Deniz hatte sich den Rest der Woche vorbildlich verhalten. Er war nur ins Zentrum gekommen, wenn er auch wirklich selber trainieren musste und er verzichtete sogar darauf, Roman beim Training zu zuschauen, was er sonst eigentlich regelmäßig tat. Aber er wollte ihm nicht das Gefühl geben, ihn überwachen zu wollen. Er vertraute Roman und das sollte dieser auch merken. Und so hatten sich Ria und Deniz auch noch nicht wieder gesehen. Doch heute kam Deniz grade in die Tür als Ria und Roman an der Bar bei ihrem alltäglichen Kaffee saßen. Schnell wollte er sich Richtung Umkleide verziehen, als Roman ihn entdeckte. „Hallo Schatz.“ Roman lächelte bei seinem Anblick, was Deniz als Legitimation ansah, dass er dieses Mal Willkommen war. „Hey.“ Antwortete Deniz auf Romans Begrüßung und gab ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange. „Ria, darf ich dir vorstellen? Das ist mein Deniz.“ Roman lächelte voller Stolz zu Ria und sah danach wieder zu Deniz. „Freut mich, dich kennen zu lernen. Roman hat mir schon ne Menge erzählt.“ Sie reichte Deniz die Hand. „Ja, freut mich auch. Und ich hoffe, Roman hat nicht allzu schlimmes über mich erzählt.“ Deniz wirkte verlegen, dachte er doch an seine letzte Begegnung mit Ria und an seine unsägliche Ballettsaalaktion. „Nein, eigentlich war es bisher nur gutes.“ Sie lächelte ihn aufmunternd an, bevor sie zu Roman gewand flüsterte: „Aber alle Achtung, da hast du dir ja wirklich ein Prachtexemplar an Land gezogen.“ Roman strahlte ob dieses Komplimentes, als wenn es ihm selbst gegolten hätte. Ja, er hatte da wirklich ein Prachtexemplar von einem Freund, gut aussehend, sportlich und immer zu irgendwelchen verrückten Aktionen bereit. Ein echter Glückgriff, dessen war er sich sicher. Warum allerdings immer wieder diese blauen Augen in seinem Kopf herumspukten, das wusste er nicht. Und wie auf Stichwort ertönte hinter ihm wieder die samtene Stimme des Besitzers dieser wahnsinnigen Augen. „Und schon wieder darf ich dich erst im halben Zentrum suchen, bevor ich dich entdeckt, Madame.“ Das darauf folgende Lachen war melodisch und hörte sich fast wie ein Glockenspiel an. Roman erschauerte. Jetzt nur nicht durchdrehen, Roman, nur nicht durchdrehen. Deniz steht neben dir. „Also langsam dürftest aber selbst du bemerkt haben, dass Roman und ich immer noch zum Abschluss einen gemeinsamen Kaffee trinken.“ Kopfschüttelnd überging sie seinen Rüffel. „Hallo Roman.“ Tim wendete sich nun an Roman und schlug ihm zur Begrüßung auf die Schulter. Wie ein kleiner elektrischer Schlag durchzuckte ihn die nichtige Berührung. Er fuhr zusammen. „Und wer ist das hier?“ Tims Blick fiel auf Deniz. „Magst du mich nicht vorstellen?“ Roman starrte ihn nur entgeistert an. Er war nicht in der Lage zu sprechen, geschweige denn, dass er seinen eigenen oder gar Deniz Namen gewusst hätte. Mit abwesendem Blick starrte er nur vor sich hin. Ria rettete die Situation. „Das ist Deniz, Romans Freund.“ „Hallo Deniz. Freut mich. Ich bin der Manager von Ria.“ Er streckte Deniz fröhlich die Hand entgegen, welche Deniz auch sofort ergriff. „Freut mich auch.“ Antwortete er etwas unsicher. Er war, wie er nur ungern zugab, doch sehr beeindruckt von der Bekanntschaft mit Ria. Man lernt ja nun auch nicht alle Tage einen Popstar kennen. Doch er war so gefangen in seiner Begeisterung, dass er Romans Abwesenheit und seine Ursache gar nicht bemerkte.

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