Liebe allein - Part 1
„Oh mein Gott, oh mein Gott.“ Roman wiederholte immer wieder diese Worte, als er atemlos und total aufgelöst das Nummer 7 betrat. „Was ist denn mit dir passiert?“ Ingo und Anette, die gemeinsam am Tresen saßen, schauten ihn mit großen Augen an. „Hallo Schatz.“ Nun betrat auch noch Deniz das Szenario und blickte seinen Freund irritiert an. Roman musste sich erstmal an den Tresen lehnen, um Luft zu holen. Er war den ganzen Weg vom Zentrum gerannt. Zu wichtig und aufregend war seine Nachricht. Er hatte das Gefühl, wenn er es nicht augenblicklich mit jemandem teilen könnte, dann würde er sicher in den nächsten Sekunden platzen. „Jetzt los, raus damit. Was ist so wichtig, dass es dich so aus der Fassung bringt?“ Ingo wurde ungeduldig. Immer noch keuchend antwortete Roman: „Das glaubt ihr mir nie. Es ist sowas total unglaubliches. Aber erstmal das wichtigste.“ Er lächelte und beugte sich über den Tresen, um Deniz wenigstens schnell einen Begrüßungskuss aufzudrücken. Egal, wie wichtig seine Neuigkeit auch war, sie konnte nicht so wichtig sein, dass sie ihn daran hinderte, seinen Schatz zu küssen. Deniz lächelte liebevoll zurück. „Aber jetzt auch raus mit der Sprache. Ich platz ja gleich vor Neugier.“ Nun trieb auch Deniz ihn an. „Aaaaalso: Ich war eben beim Training, als die alte Steinkamp mich zu sich ins Büro gerufen hat. Ich hab ja schon mit dem schlimmsten gerechnet. So Marke: Tut uns leid, Herr Wild, aber ihre Genesung läuft zu langsam, wir müssen ihr Gehalt kürzen oder irgendsolchen Quatsch. Aber nein. Sie hat erst ziemlich geheimnisvoll rumgemacht und dann…“ Er machte eine künstlerische Pause: „Ja und dann hat sie mir gesagt, dass ein Angebot für mich vorliegt. Und jetzt haltet euch fest: ich soll bei Promis auf Eis mitfahren.“ Mit Romans Strahlen in den Augen hätte er die ganze 7 erhellen können. Ingo, Anette und Deniz starrten ihn nur entgeistert an. Ingo fand als erstes die Worte wieder: „Du sollst was?“ „Ich, Roman Wild, soll für RTL bei Promis auf Eis mitfahren. Ich soll einen lieben Promi betreuen und ihm zeigen, wie das mit dem Eislaufen so funktioniert.“ Er sprach extra langsam und betonte jedes einzelne Wort, als wenn seine Zuhörer nicht mehr ganz bei Trost wären. „Mensch, Roman. Das ist ja großartig.“ Anette war von ihrem Stuhl gehopst und nahm Roman in den Arm. „Ich gratulier dir. Das ist wirklich klasse.“ Auch Ingo hielt ihm die Hand zum Einschlagen hin. Nur Deniz sagte nichts. „Und du Schatz, du sagst gar nichts?“ Roman schaute ihn ein wenig vorwurfsvoll an. „Doch, doch. Ich gratulier dir.“ Zögerlich nahm er Roman in den Arm und gab ihm einen Kuss, doch in seinem Kopf ratterten grade ganz andere Dinge. Doch Roman war viel zu aufgeregt, um das alles zu bemerken.
„Ja und? Mit wem sollst du denn laufen?“ Ingo und Anette wollten jetzt alles haarklein wissen. Inzwischen waren sie vom Tresen zu einem der Tische umgezogen und vor ihnen dampften drei Kaffees. „Ihr werdet es nicht glauben, aber mit Adriana.“ „Was? Mit Deutschlands Antwort auf Christina Aquillera?“ Anettes Kinnlade hing fast bis zur Tischkante. „Mensch Hase. Mein ewiger Neid ist dir hiermit gewiss.“ Auch Ingo konnte seine Begeisterung nun nicht mehr verstecken. „Wenn du lieb bist, nehm ich dich auch gerne mal mit zum Training.“ Kicherte Roman. „Aber wie ist das denn alles jetzt so schnell gekommen?“ Anette hatte immer noch nicht genug Informationsmaterial. „Naja, für Wettkämpfe stehe ich ja leider immer noch nicht zur Verfügung. Dafür bin ich in der Reha noch nicht weit genug, aber irgendwelche Anfänger durch ne Halle schieben, dass könnte ich auch, wenn mir ein Bein komplett fehlen würde. Und bei der Sendung ist wohl ein Teilnehmer kurzfristig ausgefallen und da Frau Steinkamp da wen von der Produktion kennt und das ja auch ne super Werbung für die Steinkamps ist... Muss ich weiter reden?“ Mit einem Grinsen im Gesicht beendete er seinen Redeschwall. „Aber Roman, mich freut das wirklich für dich. Das wird dir sicher gut tun. Und so ein bisschen Scheinwerferlicht und Fernsehrummel, da stehste doch eh drauf.“ Anette knuffte ihn in die Rippen. „Und dann das ganze noch mit einer der heißesten Schnallen, die die deutsche Medienlandschaft zu bieten hat. Ich beneide dich so.“ seufzte Ingo. „Ja, das hast du jetzt schon das eine oder andere Mal erwähnt.“ Lachte Roman. „Aber nun werde ich mir meinen Schatz da vorne schnappen und diese wunderbare Nachricht erstmal etwas feiern gehen.“ Mit diesen Worten stand er vom Tisch und ging Richtung Tresen. „Viel Spaß.“ Rief ihm Anette noch hinterher.
Sie hatten es sich auf dem Loftsofa bequem gemacht. Es war zu Romans Überraschung gar nicht schwer gewesen, Deniz von Marian loszueisen und Deniz hatte sich in Anbetracht eines Tausches zwischen Nachmittag in der Kneipe gegen Nachmittag mit Roman auch nicht grade gewehrt. Nun lagen sie dicht aneinander gekuschelt auf dem Sofa und Roman konnte gar nicht aufhören von seinem bevorstehenden Abenteuer zu erzählen. „Und weißt du? Sie hat früher wohl auch mal Ballet gemacht. Das könnte wirklich helfen. Aber ein bisschen Angst, dass sie sich auf dem Eis total doof anstellt, hab ich dann ja doch. Ich meine, ich wurde immerhin dafür eingestellt, sie möglichst gut aussehen zu lassen. Und ich habe ja immerhin auch einen Ruf, den ich zu verlieren hab. Da laufen ja auch durchaus einige meiner ehemaligen Mitkonkurrenten mit. Aber da hab ich ja eh schon mal einen Bonus: die anderen fahren ja nicht mit Adriana. Manch einer muss ja auch mit irgendwelchen alternden Politikergesichtsschabracken übers Eis gurken. Die haben sicher nicht so eine Partnerin, die wenigstens ohne Kufen unter den Füßen schon tanzen kann. Aber eigentlich ist da ja auch egal. Auf das Eis kommt es an. Auf das Eis.“ Roman war so in Fahrt, dass er gar nicht bemerkte, dass Deniz ihm nur mit einem halben Ohr zuhörte. Er hing seinen eigenen Gedanken nach. Doch plötzlich: „Sag mal, hörst du mir überhaupt zu?“ Roman hatte sich zu Deniz umgedreht und hatte an seinem Gesichtsausdruck schon erkannt, dass diesem eigentlich nicht so sein konnte. Erschreckt grunzte Deniz nur ein „Hmmm.“ „Also raus damit, was ist mit dir los?“ Roman seufzte. „Mit mir ist gar nichts.“ Doch Deniz Antwort klang etwas zickiger, als er es eigentlich beabsichtigt hatte. „Ja, klar. Deswegen redest du auch nicht mit mir und hörst mir nicht zu.“ Roman hatte sich nun aufgesetzt und saß Deniz nun gegenüber. Er sah ihm prüfend ins Gesicht. „Ist es wegen der Sendung?“ Natürlich war es wegen der Sendung. In der Minute als er das ganze von Roman gehört hatte, hatte es schon in seinem Kopf angefangen zu rattern und als er dann noch den Namen der Glücklichen gehört hatte, war alles aus gewesen. Aber anstelle der Wahrheit, antwortete Deniz nur: „Ach Quatsch. Wie kommste denn darauf?“
„Weil ich in dir lesen kann, wie in einem offenen Buch, Deniz Öztürk.“ Roman sah ihn entgeistert an. „Also wo liegt das Problem?“ Deniz gab auf. „Na gut. Es ist die Sendung.“ Er schob die Unterlippe vor und schaute Roman leicht genervt an. „Ja und weiter?“ Roman war es langsam leid, ihm alles aus der Nase ziehen zu müssen. „Du weißt, dass das eine tolle Chance für mich ist.“ „Ja klar, weiß ich das. Ich bin ja nicht komplett bescheuert. Deswegen wollte ich ja auch nichts sagen. Ist ja auch eigentlich total dämlich.“ Er schaute Roman nun schuldbewusst und zerknirscht an, woraufhin sich Roman wieder näher zu ihm setzte. „Hey. Nichts, was meinem Schatz Sorgen bereitet, ist dämlich.“ Er gab ihm einen kleinen Kuss auf die Nasenspitze. „Doch, ist es, glaub mir.“ „Jetzt sag schon.“ Deniz nahm all seinen Mut zusammen. „Also es ist…. Weil…. Du wirst ja ne Menge Zeit darin investieren müssen…. Und dann werden wir beide uns nicht mehr so oft sehen können.. und..“ Roman schaute ihn hingerissen an. „Du hast Angst, dass ich dann keine Zeit mehr für dich hab? Ach Schatz.“ Ein liebevolles Lächeln lag auf Romans Zügen. „Ja, aber nicht nur das. Du wirst ja… naja, du wirst ja auch deine Zeit dann mit dieser Frau verbringen… Sehr viel Zeit. Und ich hab sie schon gesehen. Ich weiß, wie gut sie aussieht. Und du arbeitest dann so eng mit ihr zusammen. Und..“ Roman lauschte mit einer Mischung aus Entsetzen und Belustigung der stammelnden Beichte seines Freundes, der die ganze Zeit nur verlegen zu Boden schaute. Doch bei den letzten Worten konnte er nicht mehr an sich halten. Er brach in schallendes Gelächter aus. „Du bist eifersüchtig?“ Er konnte es überhaupt nicht fassen. „Ich weiß jetzt wirklich nicht, was daran so lustig sein soll?“ Deniz schaute ihn verärgert an. „Deniz, ich weiß nicht, ob du es schon bemerkt haben solltest, aber ich bin schwul und sie ist eine Frau.“ Er konnte gar nicht aufhören zu lachen. „Ja, aber du hast mir selber schon gesagt, dass du auch mal was mit Frauen hattest.“ Gab Deniz kleinlaut zurück. „Ja, da war ich 16, du Spinner.“ Roman gab Deniz einen gespielten Klaps auf den Kopf. „Hier, sowas soll ja das Denkvermögen steigern.“ Roman konnte nur noch den Kopf über seinen Freund schütteln. „Dann muss ich mir also keine Sorgen machen?“ Deniz schaute ihn verlegen von der Seite an. Roman konnte die Frage allein schon gar nicht fassen. Doch dann sprang plötzlich die Erinnerung an Anette und ihre eine Nacht in seinen Kopf. Und wie Deniz da so verzweifelt und traurig saß. Er konnte ihm einfach nicht böse sein. „Natürlich nicht, du Dummerchen. Ich will im Leben nichts mehr von Frauen. Außerdem.. Ich hab ja dich.“ Mit diesen Worten beugte er sich über Deniz und gab ihm einen langen und leidenschaftlichen Kuss. „Reicht dir das als Beweis?“ flüsterte er ihm ins Ohr. „Hmm, ich glaube, so ganz überzeugt bin ich noch nicht.“ Deniz lächelte Roman schelmisch an und seine dunkeln Augen verrieten Roman sofort, was sein junger Freund jetzt wollte. Langsam ließ er seine Hände unter Deniz T-Shirt wandern, während sein Mund wieder sein Gegenstück suchte. Und als die beiden in trauter Zweisamkeit ihren Nachmittag verbrachten, ahnte noch keiner von ihnen, wie richtig Deniz mit seinen Befürchtungen liegen sollte.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen